Strom erzeugen und auf derselben Fläche Landwirtschaft betreiben – die sogenannte Agri-Photovoltaik (Agri-PV) soll das ermöglichen. Chancen und Potenziale unter den Bedingungen des Rheinischen Reviers sollen nun unter Praxisbedingungen ausgelotet werden. In einer Kooperation zwischen dem Forschungszentrum Jülich und dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE entsteht zu diesem Zweck in Morschenich-Alt auf einer knapp 2 ha großen Ackerfläche eine Forschungs- und Demonstrationsanlage. In praxisbezogenen Experimenten soll dort künftig untersucht werden, wie sich beide Nutzungen effektiv koppeln lassen. Richtfest dafür war am Freitag vergangener Woche.
„Durch die Doppelnutzung der Fläche mit den aufgeständerten Photovoltaik-Modulen kann der Landwirt die Folgen des Klimawandels abfedern, den Ernteertrag durch höherwertig nutzbare Pflanzen steigern und gleichzeitig selbst Strom produzieren“, erläutert Professor Ulrich Schurr vom Institut für Pflanzenwissenschaften am Forschungszentrum Jülich. Das Pflanzenwachstum wird in dem Forschungsprojekt dazu mit wissenschaftlichen Methoden untersucht, um Photovoltaik- und Pflanzenertrag gemeinsam zu optimieren. In den Agri-PV-Systemen der Zukunft soll Wasser für die Pflanzen gesammelt und gezielt zur Bewässerung und Ernährung der Pflanzen genutzt werden. Spezialsysteme ermöglichen definiertes Kippen von PV-Modulen, um je nach Bedarf die Pflanzen mit besten Lichtbedingungen zu versorgen oder sie durch Abschattung vor hohen Temperaturen und Extremwetter zu schützen. Auch empfindliche Kulturpflanzen sollen unter diesen Bedingungen besser gedeihen können. Geplant ist, vor allem solche Pflanzen zu kultivieren, die für den Landwirt ökonomisch interessant sind, wie zum Beispiel regenempfindliche Beerenfrüchte, Medizinal- und Heilpflanzen oder Pflanzen für die stoffliche Verwertung für Öle, Fasern etc. Die Forscher sind dabei offen für weitere Anregungen aus der regionalen Praxis.