Die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union ist nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu wenig auf Innovation und Stärkung der Widerstandskraft der Landwirtschaft gegen Krisen ausgerichtet. Das Produktivitätswachstum der EU-Landwirtschaft bleibe moderat, und der Anteil der GAP-Ausgaben für Innovationen sei gering, heißt es in dem von der OECD vergangene Woche vorgelegten Bericht „Agricultural Policy Monitoring and Evaluation 2023“ speziell zur EU.
Empfohlen werden mehr Anreize für die Betriebe der Agrar- und Ernährungswirtschaft, um sich besser gegenüber zukünftigen Schocks zu wappnen. Die GAP-Unterstützung sollte nach Ansicht der OECD im Hinblick auf notwendige Anpassungen stärker auf Wissenstransfer und präventive Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ökosystemen abzielen. Die Organisation räumt ein, dass vonseiten der EU Anstrengungen unternommen worden seien, um die Direktzahlungen fairer an die Landwirte zu verteilen. Die Beihilfen müssten jedoch noch stärker auf einkommensschwache landwirtschaftliche Haushalte ausgerichtet werden. Notwendig sei dies nicht nur im Sinne einer effektiveren Einkommensstützung, sondern auch, um mehr Mittel zur Förderung von Agrarumweltleistungen und für Investitionen in Innovation und Resilienz verfügbar zu haben.
Die OECD stellt fest, dass die Direktzahlungen an mehrere Umweltauflagen geknüpft seien, die sicherstellen sollen, dass die Landwirte in der EU nachhaltige Praktiken anwenden. Allerdings schränkten bestimmte Aspekte der GAP-Ausgestaltung und Umsetzung die Wirksamkeit dieser Mechanismen bei der Förderung öffentlicher Güter ein, so etwa die Schwächen bei der Überwachung und die Anwendung zahlreicher Ausnahmen. Die Pariser Experten raten der EU, freiwillige Regelungen in mehrjährige, ergebnisorientierte Zahlungen für Umweltleistungen umzuwandeln, um die Wirksamkeit der Agrarumweltpolitik zu erhöhen und den Landwirten zusätzliche Einnahmequellen zu bieten.