Pflanzen des Jahres

Foto: Julian Denstorf

Die alljährliche Wahl der Pflanzen des Jahres, durchgeführt von verschiedenen Verbänden und Einrichtungen, macht auf gefährdete und besondere Arten aufmerksam. Hier stellen wir Ihnen einige Arten vor, die 2023 im Fokus stehen.

Baum: Moor-Birke

Die Dr. Silvius Wodarz Stiftung hat die Moor-Birke (Betula pubescens) zum Baum des Jahres ernannt. Mit ihren glatten, weißen Rindenpartien und ihrer lichten, frischgrünen Laubkrone ist die  Birke leicht zu erkennen. Doch Achtung: Es gibt zwei zu Bäumen heranwachsende Birkenarten in Mitteleuropa – die Moor- und die Sand- Birke. Beide zu unterscheiden ist allerdings nicht ganz leicht. Die Stärke der Moor-Birke ist ihre ungewöhnlich hohe Kältetoleranz. Sie hat – wie auch die Sand-Birke – die typischen Merkmale und Eigenschaften eines Pionierbaums, der baumfreie, rohe Böden schnell besiedeln kann und in dessen Schutz dann die späteren Waldbaumarten heranwachsen können. Sie kommt mit den auf Freiflächen extremeren Klimaverhältnissen ohne Weiteres zurecht. Allerdings wird sie nicht sehr alt, zumeist nur etwa 80, selten 100 bis 130 Jahre. In der heutigen Kulturlandschaft trifft man recht häufig auf Birken – an Wald-, Feld- und Wegrändern oder angepflanzt als Straßen-, Park- oder Gartenbäume. Ganz überwiegend handelt es sich dabei aber um Sand-Birken, denn der Anteil der Moor-Birke am gesamten Birkenbestand liegt hierzulande bei nur gut 10 %. Moor-Birkenwälder gelten als stark gefährdet und sind inzwischen bundesweit gesetzlich geschützt, weil über 90 % der ursprünglichen Moorflächen in Deutschland bereits entwässert sind.

Blume: Kleine Braunelle

Mit der Wahl der Kleinen Braunelle zur 44. Blume des Jahres möchte die Loki Schmidt Stiftung auf den schleichenden Verlust heimischer Wildpflanzen aufmerksam machen und zum Erhalt artenreicher Weiden, Wiesen, Rasen und Wegränder aufrufen. Diese Standorte besiedelt Prunella vulgaris. Sie gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütengewächse. Die Kleine Braunelle breitet sich mit Kriechtrieben in ihrer direkten Umgebung aus und bleibt mit einer Größe von 5 bis 25 cm eine eher kleine Pflanze. Die vielen kleinen blauvioletten Einzelblüten, die gedrängt am Ende des Sprosses sitzen, bieten während der langen Blütezeit von Juni bis Oktober Nektar und Pollen. Insbesondere Hummeln und Wildbienen sowie mindestens 18 Schmetterlingsarten finden hier Nahrung. Die Kleine Braunelle ist relativ hart im Nehmen und überlebt ähnlich wie das Gänseblümchen in gemähten Rasen und toleriert auch den Fraß und Tritt durch Vieh auf Weiden. Dennoch sind die Bestände dieser robusten Art in mehreren Regionen Deutschlands in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Durch zu häufiges Mähen in der Landwirtschaft, in Gärten, Parks und an Wegrändern hat die Kleine Braunelle zu wenig Zeit, um zu wachsen und Blüten und Samen ausbilden zu können. Die größte Gefährdungsursache für die Kleine Braunelle ist allerdings der hohe Eintrag von Stickstoff in die Umwelt.

Orchidee: Herzblättriges Zweiblatt

Mit dem Herzblättrigen Zweiblatt als Orchidee des Jahres 2023 haben die Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) in Deutschland eine Art gewählt, die bedroht ist. Der Orchidee machen erhöhte Stickstoffeinträge aus der Luft und der Klimawandel mit Erwärmung, zurückgehenden Regenmengen und Borkenkäferplagen zu schaffen. Das Herzblättrige Zweiblatt gedeiht vorwiegend in regenreichen und luftfeuchten Nadelforsten mit moosigen Untergründen. Doch das Fichtensterben verändert dort das Mikroklima, da das feuchte und kühlere Waldklima sowie der Sonnenschutz verloren gehen. Blühende Exemplare des Herzblättrigen Zweiblatts erreichen eine Höhe von 7 bis 15 cm. Sie gehören zu den unscheinbarsten Orchideen und werden daher auch von Orchideenfreunden häufig übersehen, sodass ihr Rückgang nur wenig bemerkt wird. Neottia cordata  zeichnet sich durch zwei herzförmige Blätter aus, die am unteren Teil des Stängels gegenüberstehen. Der Blütenstand hat fünf bis zehn locker angeordnete kleine grüne bis gelbgrüne, manchmal auch rötliche Blüten. Blühend lässt sich die Orchidee von Ende Mai bis Juli finden.

Gemüse: Rote Bete

Traditionelle Wurzelgemüse sind keineswegs gewöhnlich. So schickt sich gerade die Rote Bete an, auch in der gehobenen Gastronomie salonfähig zu werden. Trotzdem ist sie den meisten von uns lediglich als Sauerkonserve bekannt. Um das zu ändern, hat der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt die Knolle zum Gemüse der Jahre 2023 und 2024 ernannt. Rote-Bete-Sorten sind keineswegs einheitlich rot, sondern es gibt sie in vielen Farben zum Beispiel in Gelb, Weiß oder Weiß-Rot. Auch die Blätter sind farbig von grün, grün mit roten Blattadern bis dunkelrot. Sie werden mittlerweile auch aufgrund ihres guten Geschmacks vielen Salatmischungen beigefügt. Neben ihren kulinarischen Qualitäten hat die Rote Bete auch in Bezug auf unsere Gesundheit einiges zu bieten. So kann sie das Immunsystem stärken, Blutdruck und Cholesterin günstig beeinflussen. Sie hemmt entzündungsfördernde Enzyme und hat eine positive Wirkung auf Knochenstoffwechsel, Muskelwachstum und Gehirnfunktion. Beten sind einfach anzubauen und stellen wenig Ansprüche an Boden und Kulturführung. Durch ihre gute Lagerfähigkeit sind sie bei uns fast das ganze Jahr verfügbar und gelten als preiswertes und gesundes Wintergemüse.

Pilz: Sumpf-Haubenpilz

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat den Sumpf-Haubenpilz zum Pilz des Jahres 2023 gekürt und will damit die Gefährdung von Lebensräumen spezialisierter Arten in den Fokus rücken. Vor allem längere Trockenperioden infolge der Klimaerwärmung und der Biotopverlust durch großflächigen Waldumbau machen dem Sumpf-Haubenpilz verstärkt zu schaffen. Anders als bekannte Hutpilze erinnern die glasig-weiß gestielten Fruchtkörper mit ihren gelben bis orangen Köpfchen an Streichhölzer. Mitrula paludosa ist ein kleiner Schlauchpilz und wird nicht größer als 2 bis 4 cm. Der Pilz besiedelt naturnahe, sumpfige und nährstoffarme Gewässer auf sauren Böden. Dort zersetzt er Pflanzenreste, wie zum Beispiel Laub, Nadeln und Fichtenzapfen. Man findet ihn von der Ebene bis in die Mittelgebirge, häufig im Bayerischen Wald, Harz und Schwarzwald. Die Art fehlt in den nördlichen Kalkalpen komplett, meidet also kalkreiche Gewässer. Sumpf-Haubenpilze erscheinen schon zeitig im Jahr, je nach Witterung und Höhenlage von Februar bis ­Juli oder August.