Pflanzenschutz: gefährlicher Verzicht

Foto: Pixabay

Der Verzicht auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel führt zu einer Verringerung der Lebensmittelproduktion, zu höheren Produktionskosten sowie zu höheren Gesundheits- und Hygienerisiken. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universität St. Gallen, im Rahmen derer die Folgen einer Umsetzung der Volksinitiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“ untersucht worden sind. Die Initiative sieht vor, den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Bioziden im Inland wie auch für importierte Lebensmittel zu verbieten. Dies würde der Analyse zufolge enormen Druck auf den Agrar- und Lebensmittelsektor ausüben, berichtete der Schweizer Bauernverband (SBV) am Montag vergangener Woche. Die Studie wurde unter anderem in seinem sowie im Auftrag der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien und der IG Zukunft Pflanzenschutz angefertigt. Was die landwirtschaftliche Produktion anbelangt, so zeigt die Untersuchung nach Angaben des SBV, dass bei Annahme der Initiative sowohl die pflanzliche als auch die tierische Produktion sinken würden. Da die Erträge im Ökolandbau tiefer lägen, würde es zu einem Rückgang des Brutto-Selbstversorgungsgrades von heute 60 % auf nur noch 42 % kommen. Zu erwarten wären außerdem große Veränderungen im Produktsortiment. Der Verband gibt auch zu bedenken, dass die Importbeschränkungen der Initiative mit den internationalen Abkommen kaum vereinbar seien. Um den Bedarf der Schweizer Nahrungsmittelindustrie zu decken, würden bei einer vollen Umsetzung der Initiative 21 % der weltweiten Biokaffeeproduktion und 50 % der globalen Biokakaoproduktion benötigt. Aufgrund der auferlegten Importbeschränkungen dürften sich Lebensmittelhersteller in der Schweiz dazu veranlasst sehen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Die Initiatoren der Volksinitiative warfen den Studienautoren, von der Universität St. Gallen, indes vor, „falsche Zahlen“ verwendet und „vereinfachende Projektionen“ gemacht zu haben. Die Studie beinhalte „viele gravierende Fehler“, so die Initiatoren der Volksinitiative. Ihre Initiative verlange nur den Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel. Die biologische Landwirtschaft sei restriktiver und verbiete zusätzlich die Verwendung von synthetischen Düngemitteln und Antibiotika. „Unsere Initiative nennt ausdrücklich nur synthetische Pestizide, die bei der Produktion von Lebensmitteln eingesetzt werden“, so die Initiatoren.