„Es wurde immer klarer, dass die Kontroverse wegen meines jüngsten Besuchs in Irland von meiner Arbeit als EU-Kommissar ablenkte und meine Arbeit in den wichtigen nächsten Monaten untergraben würde", gab Hogan als Begründung an. Erst am vergangenen Freitag war Irlands Landwirtschaftsminister Dara Calleary wegen bekanntgewordener Corona-Vergehen von seinem Posten zurückgetreten, den er nur fünf Wochen innehatte.
Hogan und Calleary hatten mit etwa 80 Personen an einem Dinner in einem Golf-Club teilgenommen und damit gegen die Corona-Maßnahmen verstoßen. Die irische Regierung hatte am Tag zuvor die maximale Personenanzahl für Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen auf sechs reduziert. Nach dem Bekanntwerden dieses Verstoßes hatte die Regierung in Dublin auch Hogan vorgeworfen, klar gegen Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verstoßen zu haben. Darüber hinaus hatte das irische Gesundheitsministerium darauf hingewiesen, dass Hogan bereits nach seiner Einreise nach Irland gegen die Corona-Regeln verstoßen habe; unter Berufung auf einen negativen Corona-Test habe er sich nicht in Quarantäne begeben.
Kommissionschefin von der Leyen gab nach Hogans Rücktritt nur eine kurze Erklärung ab: „Ich respektiere seine Entscheidung“, so die Kommissionspräsidentin, die neun Monate nach ihrem Amtsantritt erstmals mit größeren personellen Problemen in ihrem Haus zu kämpfen hat. Hogan sei ein wertvolles und respektiertes Mitglied der Kommission gewesen. Noch ist unklar, wer die Nachfolge des Handelskommissars antreten soll. Irland hat die Möglichkeit, einen neuen Kommissar vorzuschlagen.
Hogan war von November 2014 bis November 2019 EU-Agrarkommissar unter Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Im Dezember 2019 hatte er unter Kommissionschefin von der Leyen das Amt des Handelskommissars übernommen.