Für eine stärkere Umweltorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) spricht sich der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundeslandwirtschaftsministerium aus. In seiner aktuellen Stellungnahme, die vergangene Woche an Ressortchefin Julia Klöckner übergeben wurde, empfiehlt der Beirat, den Spielraum zu nutzen, den die Brüsseler Vorschläge für zielgerichtete Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen bieten. Unter anderem schlagen die Wissenschaftler vor, innerhalb von zehn Jahren die Mittel der Ersten Säule vollständig für Agrarumwelt-, Klimaschutz sowie Maßnahmen zur Tierwohlförderung einzusetzen. Als politisches Signal für die künftige Entwicklung der GAP sollten dem Beirat zufolge bereits 2020 mehr Mittel als bisher von der Ersten in die Zweite Säule umgeschichtet werden. Klöckner sprach von „wertvollen Hinweisen zur Umsetzung einer ergebnisorienterten Agrar-umwelt- und Klimaschutzpolitik“ in der mehr als 100-seitigen Stellungnahme. Gleichzeitig bekräftigte die Ministerin ihren Willen, langfristig an den Direktzahlungen festhalten zu wollen. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) begrüßten die Veröffentlichung des WBAE.
Der Beirat spricht sich dafür aus, ab Beginn der neuen Förderperiode in Deutschland mindestens 30 % der Summe aus Direktzahlungen und Zweite-Säule-Mitteln für Agrarumwelt- und Klimaschutzziele einzusetzen. Innerhalb von zehn Jahren sollte dieser Anteil sukzessive angehoben werden, sodass am Ende 100 % der Mittel der Ersten Säule für ambitionierte Eco-Schemes, Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen in der Zweiten Säule oder die Förderung des Tierwohls zur Verfügung stehen. Auf europäischer Ebene soll sich die Bundesregierung dafür stark machen, dass die Basisprämie binnen eines Jahrzehnts vollständig abgebaut wird. Feste Anteile sollten nach Auffassung der Wissenschaftler im EU-Agrarhaushalt für Maßnahmen vorgesehen werden, die staatenübergreifendem Biodiversitäts- und Moorschutz dienen. Ein höherer Stellenwert sollte laut Beirat dem Tierwohl im Rahmen der GAP eingeräumt werden. So wird empfohlen, Eco-Schemes für Tierwohlmaßnahmen zu öffnen und die Tierwohlförderung auszubauen. Für die Zweite Säule schlägt der Beirat die Einführung „innovativer Anreizmechanismen“ vor, um die Zielorientierung von Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zu erhöhen. AgE