DBV und MIV fordern bessere Rahmenbedingungen für die Milchviehhaltung
Mehr Anreize statt Verbote und Auflagen brauchen die deutschen Milchviehhalter. „Und die Mietverwaltung braucht vor allen Dingen mehr Planungssicherheit.“ Das machte Karsten Schmal, Vizepräsident beim Deutschen Bauernverband (DBV), auf einer Pressekonferenz des DBV und des Milchindustrieverbandes (MIV) am Freitag vergangener Woche im Rahmen vom Berliner Milchforum unmissverständlich deutlich. Die Fachtagung von DBV und MIV stand diesmal unter dem Motto „Wer die Zukunft will, braucht den Wandel“.
„Kaum ein Milchviehhalter ist noch bereit, in seinen Betrieb zu investieren. Ja, es herrscht ein regelrechter Investitionsstau in Deutschland“, so Schmal. Und die Gründe dafür lägen auf der Hand. Es werde nicht investiert, sondern eher die Stalltüre für immer geschlossen, da den Tierhaltern die Planungssicherheit fehle und eine einfache Baugesetzgebung. In den letzten drei Jahren der Ampelregierung habe die Regelungswut überhandgenommen und „die müssen wir zurückdrehen, wenn wir eine Zukunftsperspektive für den ländlichen Raum und die Milchviehhalter haben möchten“, warnte der Milchviehhalter aus Hessen.
Sorge bereitet ihm insbesondere der enorme Strukturwandel in der Milchviehhaltung. Dieser habe inzwischen das Ausmaß eines „Strukturbruchs“ erreicht. Erstmals sei in diesem Jahr die Zahl der Milcherzeuger unter 500 000 gerutscht und auch die Zahl der Milchkühe gehe weiter zurück. Was die Zukunft der hiesigen Milchwirtschaft angeht, zeigte sich Schmal dennoch optimistisch. So seien in den letzten drei Jahren gute Milchpreise zumindest für die konventionelle Milch bezahlt worden. Allerdings bei der Biomilch passten die Auszahlungspreise und die Produktionskosten nicht zusammen. Derzeit steige die Nachfrage an Milch und Milchprodukten weltweit stärker als das Angebot und dies biete gute Chancen für die Milcherzeuger, zeigte sich Schmal überzeugt. Voraussetzung dafür sei allerdings mehr Planungssicherheit und vor allen Dingen endlich die Umsetzung des Bürokratieabbaus, um auch die junge Generation zum Einstieg in die Milcherzeugung zu motivieren. „Jeder redet über Bürokratieabbau, aber keiner weiß, wie er vonstattengehen soll“, sagte der DBV-Milchpräsident.
Auch der MIV-Vorsitzende Detlef Latka beklagte bei dem Pressegespräch eine geringe Investitionsbereitschaft in der Milcherzeugung und der Milchindustrie. Neben der umfangreichen Bürokratie bremsten auch die wettbewerbsschädlichen Energiepreise die Investitionen. Als ein regelrechtes Bürokratiemonster betrachtet er die Einführung von verbindlichen Lieferverträgen zwischen Milcherzeugern und Molkereien, den Artikel 148 der Gemeinsamen Marktordnung (GMO). „Wer Bürokratieabbau ernst nimmt, sollte damit anfangen“, betonte Latka und wies darauf hin, dass der MIV staatliche Eingriffe in Milchlieferbeziehungen weiterhin ablehne.
Mit Blick auf die aktuelle Regierungsbildung im Bund forderte der MIV-Vorsitzende mehr Planungssicherheit auch für die Milchbranche. Nur so könnten bestehende Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden. Und nur wenn wieder Investitionen getätigt würden, könne sich Deutschland als starker Player am europäischen und globalen Milchmarkt behaupten.
Dr. Elisabeth Legge