Silke Gorißen war gerne auf den Klosterhof Bünghausen von Peter Schmidt ins Oberbergische gekommen: Auch bei diesem Pressetermin am Donnerstag vergangener Woche, der die am 26. August startenden BioWochen NRW einläuten sollte, wurde die Nähe von Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin zur Landwirtschaft deutlich. Zumal sie mit Landrat Jochen Hagt einen ehemaligen Mitstreiter für die Öko-Modellregionen NRW auf dem Klosterhof bei Gummersbach wiedertreffen konnte – auch Gorißen hatte sich ihrerzeit als Landrätin am Niederrhein für ihre Öko-Modellregion starkgemacht. „Die Öko-Modellregionen sind ein Mittel, bio-regionale Wertschöpfungsketten zu stärken und Bio-Produkte bekannt zu machen. Ein weiteres sind die BioWochen NRW, in denen die Verbraucher auf die Höfe eingeladen werden, um zu erfahren, wie Landwirtschaft läuft!“, so Gorißen.
Dabei müssten die landwirtschaftlichen Betriebe auch in diesem Jahr mit Herausforderungen wie weltweiten Krisen, dem einerseits zu trockenen Klima und einer andererseits verregneten Ernte zurechtkommen und gleichzeitig der Kaufzurückhaltung der Verbraucher ein noch stärkeres Engagement bei der Vermarktung
ihrer Produkte entgegensetzen. „Während der BioWochen NRW bietet sich den Landwirtinnen und Landwirten durch ganz gezielte Maßnahmen die Gelegenheit, mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern in den Dialog über die landwirtschaftliche Erzeugung zu treten und deren Tücken genauso zu zeigen wie die Chancen, die die Bio-Landwirtschaft bereithält“, machte sie Werbung für dieses Öffentlichkeitsprojekt. Die Chancen lägen auf der Hand: „Bio-Betriebe punkten durch kurze Versorgungswege und enge, regionale Wertschöpfungsketten, in die die handwerkliche Lebensmittelverarbeitung als ein wichtiges Glied integriert ist. Die Höfe sind stark in der Direktvermarktung. Immerhin macht der Anteil nordrhein-westfälischer Bio-Betriebe 20 % des bundesweiten Umsatzes mit Bio-Produkten aus!“ Nicht zuletzt leisteten die Betriebe einen enormen Beitrag zur Biodiversität, sagte die Ministerin.
All das sei dem Land NRW 109 Mio. € Unterstützung wert, mit denen der Öko-Landbau und die Agrar-Umweltmaßnahmen gefördert würden. „Wir halten am Ziel „20 % Ökolandbau bis 2030“ fest. Dafür ist es wichtig, die Verbraucher, die die Bio-Produkte abnehmen sollen, unmittelbar zu erreichen!“, erhofft sich die Ministerin einen guten Verlauf der BioWochen NRW.
Ute Rönnebeck, Vorsitzende des Landesverbandes Ökolandbau NRW, LVÖ, freute sich im Rahmen der Pressekonferenz über den nahenden Start der BioWochen. „1999 war NRW das erste Bundesland, in dem die Aktionstage Ökolandbau durchgeführt wurden.“ In den vergangenen 25 Jahren hätte der Öko-Landbau einen starken Auftrieb erfahren: Die Betriebszahlen hätten sich vervierfacht, der Professionalisierungsgrad sei stark gestiegen, der Lebensmitteleinzelhandel als Verkaufsstelle zum Fachhandel dazugekommen, der so den Absatz der Produkte erheblich erweitere, und der Öko-Landbau sei in Forschung, Ausbildung und Beratung deutlich wahrnehmbarer geworden. „Damit dieser Aufwärtstrend anhält, gibt es die fünf Öko-Modellregionen – und eben die BioWochen NRW. Diese gut zwei Wochen sind die beste PR, die die Bio-Betriebe leisten können“, meinte Rönnebeck.
Jochen Hagt betonte als Landrat des Oberbergischen Kreises und damit Stellvertreter für die Öko-Modellregion BergischesRheinland, dass in seinem Kreisgebiet Landwirtschaft, Naturschutz, Praxis und Behörden seit vielen Jahren gemeinsam unterwegs seien. „Diese gemeinsame Basis und das Verständnis füreinander tun der naturnahen Gestaltung der Flächen sehr gut“, betonte er und hob das gemeinsame Engagement der drei Kreise im Namen der Öko-Modellregion BergischesRheinland hervor. „Vor allem das Thema Tierwohl liegt uns allen hier in der vornehmlich grünlandgeprägten Mittelgebirgsregion am Herzen. Deshalb unterstütze ich auch die hofnahe Schlachtung, die der Biokreis-Betrieb von Peter Schmidt zu seinem Schwerpunktthema gemacht hat, aus voller Überzeugung.“
Meike Siebel, Landwirtschaftskammer NRW