Produktsiegel werden beim Lebensmitteleinkauf immer wichtiger. Das zeigt der Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, den Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in der Vorwoche vorgestellt hat. Demnach ist der Anteil der Befragten, die häufig oder sehr häufig mit Siegeln gekennzeichnete Produkte kaufen, 2021 im Vorjahresvergleich um 15 Prozentpunkte auf 66 % gestiegen. Jeweils etwa zwei Drittel orientieren sich derzeit am Regionalfenster und am Biosiegel, weitere 55 % am Tierwohllabel.
Geschmack an erster Stelle
Das vom Bundeslandwirtschaftsministerium geplante Tierwohlsiegel ist 86 % der Befragten wichtig oder sogar sehr wichtig. Das Hauptmerkmal bei der Kaufentscheidung bleibt dem Report zufolge der Geschmack. Ganze 96 % der Befragten sehen ihn als wichtiges Kriterium an. Für 82 % der Deutschen ist die regionale Herkunft wichtig, für 78 % die Saisonalität, für 54 % die Produktinformation und für 48 % der Preis. Beim Einkauf von Fertigprodukten haben 59 % bereits bewusst zu zucker- und weitere 52 % zu fettreduzierter Ware gegriffen.
Wie aus dem Bericht außerdem hervorgeht, ist der Anteil von Vegetariern in der Bevölkerung im vergangenen Jahr gegenüber 2019 von 5 % auf 10 % gestiegen, der Anteil von Veganern von 1 % auf 2 %. Insgesamt legen 30 % der Befragten öfter mal vegetarische oder vegane Produkte in den Einkaufswagen. Mit 47 % besonders groß ist hier der Anteil in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen. Etwa 71 % der Befragten, die Ersatzprodukte schon mindestens einmal gekauft haben, gaben als Grund für den Einkauf Neugier an, 59 % Tierschutzgründe und jeweils 13 % den Geschmack, den Klima- und den Umweltschutz. Das Vertrauen in Lebensmittel ist laut den Umfrageergebnissen 2021 auf hohem Niveau gestiegen. Insgesamt 83 % der Deutschen vertrauen voll und ganz oder eher in die Sicherheit der hierzulande angebotenen Lebensmittel; im Vorjahr waren es 74 %. Deutlich erhöht haben sich 2021 auch die Ansprüche an die Landwirtschaft. So ist 73 % der Befragten eine artgerechte Haltung der Tiere wichtig; das sind 7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Faire Löhne halten 69 % der Befragten für zentral, den Umweltschutz 57 % und den Emissionsschutz 54 %.
Wertschätzung wichtig
Klöckner sieht durch den Report, für den Anfang des Jahres insgesamt rund 1 000 Personen ab 14 Jahren telefonisch befragt wurden, ihren ernährungspolitischen Ansatz bestätigt. Konkret nannte sie die Tierschutzziele der Borchert-Kommission, die Nationale Reduktionsstrategie für Zucker, Fette und Salz und die Einführung des Nu-triScore sowie die Ernährungsbildung. Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, richtete anlässlich der Vorstellung des Reports den Blick auf die Lage der heimischen Landwirte. Von ihnen werde gefordert, „Spitzenprodukte zu Tiefstpreisen zu erzeugen“. Das könne kein Betrieb leisten. Niemand dürfe sich daher wundern, wenn hier Betriebe aufgäben und die Ware aus dem Ausland komme. Am Ende zahle dann der deutsche Verbraucher die Zeche, betonte Connemann und forderte mehr Wertschätzung für hierzulande erzeugte Ware.
AgE