Den jüngsten Rückgang der deutschen Schlachtschweinenotierung um 7 Cent auf 1,30 €/kg Schlachtgewicht (SG) hat der Veredlungspräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Hubertus Beringmeier, als „katastrophale Entwicklung“ bezeichnet. „Schweinehalter sind Preisschwankungen durchaus gewohnt und können damit auch umgehen. Aber eine derart ruinöse Entwicklung über einen so langen Zeitraum hat es selten gegeben“, beklagte Beringmeier am Donnerstag vergangener Woche. Verstärkt werde die desaströse Lage noch durch die hohen Futterkosten.
Dabei gehe die Erzeugung von Schweinefleisch in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern bereits seit längerer Zeit zurück, dennoch lägen hier die Preise teils deutlich niedriger. „Wir brauchen nicht nur allgemeine Bekenntnisse zur regionalen Erzeugung, sondern aktives Handeln zur Stärkung der heimischen Betriebe“, betonte der DBV-Veredlungspräsident. Schlachtunternehmen, Verarbeiter, Großverbraucher und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) seien gemeinsam gefordert, aktiv die heimische Erzeugung durch entsprechende Einkaufs- und auch Preispolitik zu stabilisieren und zu stärken. Kurzfristig helfen könne eine intensivere Bewerbung von deutschem Schweinefleisch. Darüber hinaus erwartet Beringmeier ein klares Bekenntnis der deutschen Fleischwarenindustrie zu mehr Tierwohl in heimischen Betrieben, indem sie geschlossen der Initiative Tierwohl (ITW) beitrete.
Die Kölner Rewe-Group und ihr Discounter Penny wollen bis zum Sommer 2022 rund 95 % ihres konventionellen Sortiments an Schweinefrischfleisch auf deutsche Herkunft umstellen und darüber hinaus die garantierten Mindestpreise für die Schweinehalter anheben. Wie das Unternehmen am Montag dieser Woche mitteilte, sollen die Erzeuger damit mehr Planungssicherheit erhalten und in der Krise gestärkt werden. Das Bekenntnis der Rewe-Group zu „5D“ bei Schweinefleisch – das bedeute Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Zerlegung beziehungsweise Verarbeitung in Deutschland – sei ein wichtiges Zeichen zur Unterstützung der heimischen Landwirtschaft.
Die Reaktionen aus der Landwirtschaft waren sehr positiv. „Der Vorstoß der Rewe-Group ist ein wichtiger und dringend notwendiger Schritt“, so Hubertus Beringmeier, Veredlungspräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, zu dem Beschluss. Auch die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) begrüßte die jüngste Mitteilung der Rewe-Group.
AgE/ah