Atemschutzmasken sind aktuell genauso Mangelware wie Klopapier und über den Handel kaum noch zu beziehen. Was tun? Kein Problem, haben sich die Landfrauen in ganz Deutschland gesagt, und nähten sie kurzerhand selbst. Auch im Rheinland nähten Landfrauen Atemschutzmasken ehrenamtlich für soziale Einrichtungen.
„Wir Landfrauen haben uns jetzt in der Corona-Krise gefragt, wie wir uns nützlich machen können“, berichtet Luise Buch aus Vossenack-Raffelsbrand in der Nordeifel. Die 66-Jährige frisch pensionierte Lehrerin hat zusammen mit sieben anderen Frauen aus der Landfrauenortsgruppe Vossenack 350 Masken in nur zwei Wochen genäht. „Als Rentnerin habe ich Zeit. Bei unserem Landfrauenortsverband sind auch viele berufstätige Mütter dabei, die sich engagiert haben. Das finde ich besonders beachtlich. Einige aus unserem Vorstand des Düren-Jülicher Landfrauenverbandes arbeiten im Geschwister-Louis-Haus, einem Seniorenzentrum in Vossenack, und erzählten, dass es dort einen Mangel an Masken gebe, und schon ging es los!“, erzählt sie vom Start.
In ihrer Whatsapp-Gruppe haben sich die Landfrauen kurzgeschlossen und von den 130 Mitgliedern in Vossenack waren acht sofort bereit, für die Seniorenresidenz zu nähen. Andere haben sich zusammengeschlossen, um die Masken herzustellen für das Simmerather Krankenhaus, die Feuerwehr und vieles, vieles mehr.
Wie sind die Landfrauen vorgegangen? In der Gruppe wurde ein Schnittmuster empfohlen und besprochen, wer noch alte Tischdecken, Betttücher oder anderen Stoffreste sowie Hosengummi übrig hat. „Es eignet sich nicht jeder Stoff! Ein neuwertiges Betttuch zum Beispiel ist viel zu dick. Dadurch kann man nicht atmen. Wir haben festgestellt, dass alte Herrentaschentücher das beste Material sind“, schmunzelt Luise Buch. Die Landfrauen haben nur wiederverwertbare Stoffe genutzt – das ist quasi das sinnvollste Upcycling, das man sich vorstellen kann.
„Obwohl jeder für sich genäht hat, war es eine schöne Gemeinschaftsaktion. Es hat Zusammenhalt gestiftet“, freut sie sich. Über die Whatsapp-Gruppe haben sich die Frauen auf dem Laufenden gehalten und ausgetauscht. Die fertigen Masken hat jede an die Tür von Luise Buch gehängt, die sie in einem Rutsch ans Seniorenheim übergeben hat. „Es hat sehr viel Spaß gemacht! Eine richtig produktive Geschichte – wie so vieles bei den Landfrauen!“ Viel Lob haben die Landfrauen dafür in der Lokalpresse und von den Sozialeinrichtungen selbst bekommen.
„Jetzt haben alle 70 Bewohner des Seniorenheims in Vossenack und das Personal ausreichend Masken“, freut sich Luise Buch. „Alle Nähmaschinen stehen noch bereit. Wir können sofort wieder loslegen!“, sagt sie. Und so kam es dann auch direkt am Freitag vergangener Woche: Die Gemeinde hat die Landfrauen gebeten, noch mal aktiv zu werden und weitere Masken zu nähen. „Wir werden unsere Nähmaschinen also wieder aktivieren!“, sagt sie abschließend. ah