Rotes Gebiet trotz erfolgreicher Kooperation?

Foto: Christiane Närmann-Bockholt

Da ist Frust und Ärger vorprogrammiert: Landwirte, die einer Wasserkoopera­tion angehören und über Jahre oder sogar Jahrzehnte die Fruchtfolge, Bodenbearbeitung und Düngung auf ihren Flächen auf Schonung des Grundwassers ausgerichtet haben, bekommen keine Anerkennung für ihr Engagement. Mehr noch, sie werden sogar bestraft, denn es droht eine nochmalige Verschärfung der Düngeverordnung und damit eine weitere Einschränkung der Düngemaßnahmen. So geht es auch den Landwirten, die Mitglied in der bereits seit knapp 30 Jahren bestehenden

Wasserkooperation Emmerich-Helenenbusch sind. Die Karte des Wasserschutzgebiets Helenenbusch weist 28 Grundwasser-Messstellen aus, von denen acht mit roter Farbe gekennzeichnet sind, weil die über mehrere Jahre gemessenen Nitrat-Mittelwerte steigende Tendenzen aufzeigen.

Bald neue Nitratergebnisse

Wie werden die EU-Nitratmessstellen in Deutschland festgelegt und welche Behörde meldet nach Brüssel? Wie erfolgt die Zustandsbewertung der Grundwasserkörper? Wird der Grundwasserkörper Emmerich als rot eingestuft und welche Auswirkungen bringt das für die Landwirtschaft mit sich? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, hatte die Wasserkooperation Emmerich-Helenenbusch kürzlich Dr. Sabine Bergmann eingeladen, die als Geoökologin beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) den Fachbereich Grundwasserbeschaffenheit leitet.

Wie die Geoökologin vor rund 30 Versammlungsteilnehmern erläuterte, befindet sich der neue EU-Nitratbericht 2019 derzeit in der Endbearbeitung beim Umweltbundesamt. Die Messstellen aus den einzelnen Bundesländern werden von den jeweiligen Landesbehörden festgelegt. Das Messnetz soll repräsentativ und räumlich im gesamten Bundesland verteilt sein. In Nordrhein-Westfalen gehören 115 Nitratmessstellen zu diesem Netz. Für das Grundwassermonitoring wird das sogenannte Wasserrahmenrichtlinien (WRRL)-Messnetz he­rangezogen. In NRW bestehen 275 Grundwasserkörper, die über rund 1 500 WRRL-Messstellen kontrolliert werden.

„Für jeden Grundwasserkörper muss ein repräsentatives Messnetz mit einer guten räumlichen Verteilung bestehen, wobei auch jede flächenmäßig relevante Landnutzung berücksichtigt wird“, zeigte Bergmann auf. Die Karte mit den Ergebnissen des WRRL-Monitorings weist den chemischen Zustand der Grundwasserkörper auf, die rot gekennzeichneten Gebiete mit mehr als 50 mg NO3/l liegen vor allem im Rheinland und im Münsterland. Bergmann wies darauf hin, dass in Kürze die Ergebnisse des neuen Nitrat-Monitoringzyklus vorgestellt würden. „Es gibt Veränderungen, der Anteil der Nitrat-Überschreitungen nimmt landesweit ab“, verriet die Fachfrau.

Erleichterung durch Binnendifferenzierung?

In der Diskussion machten die Landwirte ihrem Unmut Luft. Die Entwicklung der Nitratwerte im Kooperationsgebiet zeige einen rückläufigen Trend, erläuterte Kammermitarbeiter Andreas Ploenes, der die Kooperationslandwirte berät. Diesem positiven Trend zum Trotz solle der Grundwasserkörper als rot eingestuft werden. Wenn ihr langjähriges Engagement in Sachen Grundwasserschutz nicht anerkannt und die Bewirtschaftungsauflagen weiter verschärft würden, stehe die Kooperationsarbeit auf der Kippe. Deutliche Kritik übte Ploenes an der Positionierung einiger Messtellen, so befinde sich die Messstelle Elten, die für den Eintrag vom Acker stehe, auf einer alten Kläranlage und im direkten Umfeld lägen ­Pferdeweiden. Eine andere Messstelle, die ebenfalls zur Bewertung für einen Ackereintrag herangezogen werde, liege im Siedlungsbereich.

Wie die Referentin erklärte, sei das ­LANUV dabei, die Messstellen zu überprüfen. Lägen begründete Argumente vor, würden Anpassungen vorgenommen. Erleichterung für die Bewirtschaftung könne auch über die Möglichkeit der Binnendifferenzierung erfolgen. Dabei geht es um die kleinräumigere Unterteilung der sogenannten roten Gebiete. Für die Emmericher Landwirte blieb eine Reihe von Fragen offen. Wird durch die Binnendifferenzierung die Bewirtschaftung tatsächlich erleichtert oder die Nährstoffbedarfsplanung dadurch noch viel komplizierter und kommt damit noch mehr Bürokratie auf uns zu? Diese Bedenken gaben sie der Referentin mit auf den Weg. cnb