Auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) schwor Präsident Joachim Rukwied die Delegierten auf die Herausforderungen der nächsten Zeit ein und sicherte Veränderungen im Verband zu.
Statt Frühjahr wurde es Herbst. Statt nach Lübeck reisten die 500 Delegierten der regionalen Bauernverbändenach Erfurt. Statt knapp zwei Tagen gab es nur etwa fünf Stunden Programm. Auch in der Messehalle Erfurt, in der die diesjährige Mitgliederversammlung des DBV am Freitag der Vorwoche stattgefunden hat, stand vieles im Zeichen von Corona. Jeder Anwesende bekam einen Platz zugewiesen und einen Zettel mit den Hygieneregeln nebst einem Fläschchen Desinfektionsmittel.
Auch inhaltlich ging Corona nicht am Bauerntag vorbei. DBV-Präsident Rukwied ging wie auch später Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die per Video zugeschaltet war, auf die Krise in der Schweinehaltung ein, verursacht durch Ausfälle in den Schlachtkapazitäten und verschärft durch die Afrikanische Schweinepest (ASP). Neben dem aktuellen Geschehen widmeten beide den Grundsatzfragen der Branche den meisten Raum. Ob es um den Umbau der Tierhaltung oder um die Frage der Biodiversität und des Insektenschutzes ging, Rukwied versicherte, dass die Landwirtinnen und Landwirte bereit seien für Veränderungen. Nur, so verdeutlichte er immer wieder, bräuchten sie Verlässlichkeit und tragfähige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dabei nahm er nicht nur die Politik in die Pflicht, sondern appellierte auch an die Verantwortung der Verbraucherschaft.
Veränderung auf vielen Ebenen
Veränderungsbereitschaft ließ Rukwied allerdings auch durchblicken, was Struktur und Verfassung des Deutschen Bauernverbands angeht. Damit ging er auf die Kritik am Verband und seiner Person ein, die auch vor dem Veranstaltungsort nicht haltmachte. So war draußen auf dem Parkplatz wieder ein Siloanhänger platziert, ausgestattet mit einem Banner, das neben Rukwied Ministerin Klöckner und weitere Politiker und Verbandsvertreter für die derzeitige Situation der Landwirtschaft verantwortlich machte. Der Protest draußen hielt sich aber in Grenzen. Drinnen nahmen die Veranstalter möglichem Unmut dadurch den Wind aus den Segeln, dass es eine ausführliche und offene Aussprache zur Rede Rukwieds gab. Mehr als ein Dutzend Landwirtinnen und Landwirte nutzten die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge und ihre Erwartungen an die Verbandspitze auszudrücken. Unter ihnen auch Wilhelm Hellmanns vom Kreisverband Geldern des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands (RLV).
Jünger und weiblicher
Präsident Rukwied sparte kaum ein Thema aus, das Bauern derzeit berührt. Ob es um Düngeverordnung geht, die Farm-to-Fork-Strategie oder die anstehenden Entscheidungen zur Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik: Es kam fast alles zur Sprache, wo Klarheit seitens der Politik erwartet wird. Über allem stellte Rukwied aber die Frage: „Ob eine Landwirtschaft, die auf Traditionen fußt, aber offen für Veränderungen ist, in Deutschland noch eine Zukunft“ hat? Darauf erwarten die Bauernfamilien dem präsidenten zufolge eine Antwort. Dass er dabei nicht nur die Politik im Visier hat, sondern auch die eigenen Reihen, ließ er mit einigen selbstkritischen Betrachtungen zu Vorgehensweisen in jüngster Zeit anklingen.
Aber er sieht auch den Berufsstand als Ganzes in der Verantwortung, insofern er die Einigkeit im Berufsstand heraufbeschwört. „Wir als Bauern haben nur eine Chance, wenn wir uns gemeinsam in einer starken Bauernfamilie engagieren“, schloss er seine Rede. Zusicherungen, dass der Verband sein Scherflein dazu beitragen will, machte Rukwied folgerichtig auch: So sicherte er zu, dass an der Satzung gearbeitet werden würde, damit auch Mitglieder, die nicht in vorderster Ehrenamtsreihe in den Regionalverbänden stehen, in DBV-Gremien gewählt werden könnten. Außerdem soll es mehr Anstrengungen geben, damit sich mehr Jüngere und Frauen engagieren.
Die Rede von Rukwied kann auf der Website www.bauernverband.de in voller Länge nachgehört werden. ds