Sachverständige streiten über Stilllegung

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Deutsche Bauernverband (DBV) ein unverändertes Festhalten an der Stilllegung von 4 % der Ackerflächen, wie sie im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2023 vorgesehen ist. Zwar räumte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling in einer öffentlichen Anhörung des Ernährungsausschusses des Bundestages am Montag vergangener Woche ein, dass der Mengeneffekt einer Aussetzung begrenzt sein werde. Gleichwohl sei es angebracht, die Einführung dieser Maßnahme zumindest zeitlich aufzuschieben, ohne jedoch gänzlich darauf zu verzichten.

Der Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn, Prof. Matin Qaim, verwies auf die wichtige Funktion von Brachflächen für die Biodiversität und sprach sich gegen einen Verzicht aus. Sinnvoll könnte aber eine temporäre Aussetzung bei gleichzeitiger Reduzierung des vorgesehenen 4 %-Satzes sein, so der Bonner Agrar-ökonom. Kritisch zur Aussetzung der Stilllegung äußerten sich Dr. Norbert Röder vom Thünen-Institut für Ländliche Räume und Prof. Sebastian Lakner vom Institut für Agrarökonomie der Universität Rostock. Lakner betonte den Wert der Brachflächen für die Biodiversität. Um deren positiven Effekte zu stärken, sei allerdings eine koordinierte Ausweisung in der Region notwendig. Der Wissenschaftler verwies auf Möglichkeiten, die in diesem Zusammenhang ein kooperativer Naturschutz bieten könne. Thünen-Wissenschaftler Röder stellte klar, dass ein Aussetzen oder der komplette Verzicht auf die Pflicht zur Still-legung ab 2023 der Artenvielfalt schaden und nicht den ökonomisch gewünschten Erfolg bringen würde, den manche von einer solchen Maßnahme erwarteten. Hemmerling veranschlagte den Umfang der zusätzlichen Ackerflächen für die Getreideproduktion durch einen Verzicht auf Stilllegung auf rund 200 000 ha. Ausgehend von einem Ertrag in Höhe von etwa 50 dt/ha, resultiere daraus eine Gesamtmenge von circa 1 Mio. t Getreide in Deutschland. Nach Einschätzung des stellvertretenden DBV-Generalsekretärs wird die weltweite Versorgung bei Getreide in den kommenden Jahren weiter knapp bleiben.