Schlaglichter Ukrainekrieg

Foto: imago/ITAR-TASS

Getreide: Schwarzmeerhandel stockt. Die Weizen- und Maisausfuhren Russlands und der Ukraine dürften im laufenden Vermarktungsjahr 2021/22 kriegsbedingt deutlich kleiner ausfallen als bislang prognostiziert. Der Internationale Getreiderat (IGC) senkte seine Vorhersage für die ukrainischen Weizenausfuhren um 3,7 auf 20,8 Mio. t. Die Prognose für die Weizenexporte Russlands in der aktuellen Saison setzten die Londoner Experten um 1,5 Mio. t auf das Fünfjahrestief von 31,8 Mio. t herab (Vorjahr: 38,2 Mio. t). Das Kauf-interesse an EU-Ware hat dagegen zugenommen. Deshalb hoben die Fachleute ihre Exportprognose für Weizen dieser Herkünfte für 2021/22 um 1,0 auf 33,9 Mio. t an (2020/21: 28,1 Mio. t).

Getreide: Panik wirkt. Die derzeit sehr hohen Preise auf den internationalen Getreidemärkten sind nach Einschätzung von Wissenschaftlern der Universität Wageningen zumindest zum Teil das Ergebnis von Panik wegen möglicher Versorgungsengpässe als Folge des Ukrainekriegs. In einer aktuellen Studie legen sie dar, dass diese Befürchtungen aber angesichts der tatsächlichen Versorgungslage zumindest mit Blick auf die kommenden sechs Monate unbegründet sind. Die Mobilisierung strategischer Getreidevorräte sei ein wichtiges Instrument, um einen Anstieg der Rohstoffpreise abzufedern.

Ukraine: Sommerungen halbiert. Laut Regierungsangaben könnten die Aussaatflächen bei den Sommerkulturen gerade einmal 7 Mio. ha umfassen. In früheren Jahren waren meist um 15 Mio. ha bestellt worden. Der Beschuss durch russische Truppen und Minen gefährden die Landwirte in den besetzten Gebieten. Hinzu kommen anhaltende Engpässe bei Betriebsmitteln.

Hilfen: 3 000 t Lebensmittel. Auf diese Menge beläuft sich die Summe an Lebensmittelhilfen der deutschen Ernährungswirtschaft, die bislang in die Ukraine geliefert wurden. Das hat das Bundeslandwirtschaftsministerium unter Berufung auf die von ihm eingerichtete Koordinierungsstelle mitgeteilt. Danach sind seit Beginn der Initiative Anfang März mehr als 100 LKW-Ladungen mit fast 3 300 Paletten an Nahrungs- und Lebensmitteln sowie vereinzelten Non-Food-Produkten in die Ukraine geliefert worden. Das Gesamtvolumen der zugesagten Lieferungen der deutschen Lebensmittelunternehmen beläuft sich einschließlich der bereits verschickten Waren derzeit auf 130 LKW-Ladungen mit über 4 100 Paletten. Geliefert werden vor allem Grundnahrungsmittel, Getränke wie Wasser und Saft, Babynahrung sowie Fisch-, Fleisch- und Dosenkonserven.

Soja: Ausreichend gentechnikfreie Ware. Donau Soja, ein Verein für gentechnikfreien Sojaanbau in Europa, geht davon aus, dass gentechnikfreie Sojaschrote aktuell ausreichend und in allen nötigen Qualitäten vorhanden sind – wenn auch zu hohen Preisen. Vereinspräsident Matthias Krön sieht deshalb keinen Grund für überhastete Ausstiegsmaßnahmen und laute Krisenrhetorik, die nur der Proteinversorgung in Deutschland und Europa schadeten. Vielmehr sei gentechnikfreies Sojaschrot bis zur Ernte im Herbst 2022 breit verfügbar. Aktuelle Schätzungen für die Ukraine gingen von einem Erntevolumen 2022 von etwa 70 % der Vorjahresmenge aus. Die Anbausaison in den meisten Regionen von Donau Soja soll planmäßig starten. Weniger als ein Zehntel der Partnerflächen von Donau Sojaliege im aktuellen Kriegsgebiet.

Ukraine: Landwirtschaftsminister zurückgetreten. Landwirtschaftsminister Roman Leshchenko ist überraschend zurückgetreten. Medienberichten zufolge hat er am Donnerstag vergangener Woche in Kiew ohne Nennung von Gründen, genau einen Monat nach Beginn des russischen Angriffskriegs, seinen Rücktritt eingereicht. Als sein Nachfolger soll bereits der Abgeordnete und Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im ukrainischen Parlament, Mykola Solskyi, feststehen.