Schutzstatus auf dem Prüfstand

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„Die aktuellen Vorschläge der Europäischen Kommission zur Änderung des Schutzstatus des Wolfs prüfen wir derzeit kritisch.“ Das erklärte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums (BMUV) auf die Frage des Nachrichtendienstes Agra-Europe nach dem deutschen Standpunkt zum Vorschlag der EU-Kommission, den Schutzstatus des Beutegreifers in der Berner Konvention von „streng geschützt“ in „geschützt“ ändern zu wollen. Dem Vernehmen nach soll zum aktuellen Zeitpunkt auf dem Brüsseler Parkett keine qualifizierte Mehrheit dafür zustande kommen, den Schutzstatus abzuschwächen. Vermeiden wolle das Bundesumweltministerium „eine jahrelange Diskussion über das ganze europäische Naturschutzrecht“, so die Sprecherin. Damit sei den Weidetierhaltern nicht geholfen. Die Sprecherin unterstrich zudem, dass mehr und leichtere Abschüsse nicht unbedingt zu weniger Rissen bei Weidetieren führten: „Zentral ist und bleibt in jedem Fall ein guter und wirksamer Herdenschutz.“ Damit die Koexistenz von Nutztierhaltung und Wolf wirklich praktisch verbessert werde, habe die Umweltministerkonferenz im Dezember den Vorschlag von Lemke für Schnellabschüsse von Wölfen in Gebieten mit erhöhtem Rissaufkommen beschlossen. „Diese Regelung ist rechtssicher, pragmatisch und sehr schnell wirksam“, heißt es aus dem Umweltressort.

 

Der Direktor für Biologische Vielfalt bei der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission, Humberto Delgado Rosa wies vor dem Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments da­­rauf hin, dass Konflikte mit Nutztierhaltern aufgrund von Rissen vor allem ein regionales Problem seien. An die nationalen und lokalen Verantwortungsträger richtete Delgado Rosa die Empfehlung, den Schutz der Weidetiere zu intensivieren. Anders sei eine weitgehend konfliktfreie Koexistenz nicht zu erreichen.

 

Wölfe seien ein wertvolles Element in der natürlichen Fauna. In Gegenden, in denen Nutztiere ausreichend vor Wölfen geschützt würden, konzentriere sich der Beutegreifer auf das Jagen von Wildtieren. In der Folge würden mehr kranke und schwache Wildtiere durch den Wolf entnommen. Das wiederum führe unter anderem zu einem reduzierten Krankheitsdruck bei landwirtschaftlichen Nutztieren. Als Beispiele nannte Delgado Rosader die Tuberkulose sowie die Afrikanische Schweinepest (ASP).

 

Der Agrarsprecher der EVP, Herbert Dorfmann, gab zu bedenken, dass in unwegsamen Gebieten der Schutz eines Schafes mehr als dessen Wert koste. Hinzu komme, dass mit dem Ende der Weidetierhaltung auch die Biodiversität gefährdet sei. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA, warnte vor pauschalen Lösungen. Auch Häusling verwies auf den positiven Effekt des Wolfs. Nach seinen Angaben verursachen die oftmals zu hohen Bestände an Rot-, Reh- und Schwarzwild allein in Deutschland Forstschäden von jährlich rund 1 Mrd. €.