Schwieriges Jahr

Foto: RUW

Nach dem Ausnahmejahr 2020 hat die Rinder-Union West eG (RUW) aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie auch in diesem Jahr für die Durchführung der Vertreterversammlung, die Beschlussfassungen zum Geschäftsjahr sowie zu den Wahlen zum Aufsichtsrat ein anderes Format gewählt. Die 28. ordentliche Vertreterversammlung fand am 10. Juni nicht als Präsenzveranstaltung, sondern als digitale Veranstaltung statt.

Strukturwandel mit voller Wucht zu spüren bekommen

In einem anspruchsvollen und veränderungsreichen Geschäftsjahr hat sich die RUW eigenen Angaben zufolge als eine verlässliche sowie service- und dienstleistungsorientierte Genossenschaft für die Milchviehhalter in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland behauptet. Das Geschäftsjahr 2019/20 stand für die Mitglieder und Kunden der RUW erneut im Zeichen unzureichender Milchpreise, steigender Kosten sowie zunehmender Umwelt- und Bewirtschaftungsauflagen. Zusätzlich belastend war der heiße und regional erneut sehr trockene Sommer 2020.

Die erschwerten Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Milchviehhaltung und die daraus folgende angespannte wirtschaftliche Lage haben für einen anhaltend hohen Strukturwandel gesorgt, den die RUW nach eigener Einschätzung „mit voller Wucht zu spüren bekam“. Vor allem der Rückgang der Besamungsbetriebe fiel erneut deutlich aus. Neben der Minderung der Dienstleistungs- und Sperma-Umsätze hatte auch die Rindervermarktung mit stark wechselnden Marktgegebenheiten zu kämpfen, die nicht zuletzt der Corona-Pandemie geschuldet waren.

Im Geschäftsjahr 2019/20 sanken die Umsatzerlöse der RUW um 3,2 Mio. € beziehungsweise 4,9 % auf 62,7 Mio. €. Ausschlaggebend für die Entwicklung waren vor allem Umsatzrückgänge in den Geschäftsbereichen Besamung (-8,5 %) und Vermarktung (-2,8 %). Während die Umsatzrückgänge im Bereich Besamung vornehmlich auf einen anhaltenden Strukturwandel sowie auf rückläufige Erlöse im Spermavertrieb zurückzuführen sind, sanken die Umsatzerlöse im Bereich Vermarktung durch Einschränkungen des Auktionsbetriebs aufgrund der Corona-Pandemie sowie stark rückläufige Preise im Nutzviehgeschäft. Die Umsatzerlöse im Geschäftsbereich Zucht sanken um 4,6 % gegenüber dem Vorjahr. Daraus ergibt sich eine Gesamtleistung der RUW im Geschäftsjahr 2019/20 von 52,0 Mio. € gegenüber 53,9 Mio. € im vorangegangenen Geschäftsjahr. Im Saldo verzeichnet die RUW ein negatives Betriebsergebnis von 1,0 Mio. €, was einer Verringerung von knapp 0,9 Mio. € gegenüber dem Betriebsergebnis des vorangegangenen Geschäftsjahrs bedeutet. Dennoch wurden Rabatte auf den Spermabezug sowie Preisnachlässe für Anpaarungsberatung von zusammen knapp 2 Mio. € gewährt.

Dem Bestandsabbau folgend sanken auch die Besamungszahlen der RUW deutlich ausgeprägter als in den Vorjahren. Insgesamt wurden 6,5 % weniger Erstbesamungen (354 299) und sogar 7,5 % weniger Gesamtbesamungen (674 450) registriert. Im Geschäftsbereich Besamung wurde ein wertmäßiger Gesamtumsatz von rund 21,5 Mio. € erzielt (-8,5 %).

Das Ergebnis des Geschäftsbereichs Vermarktung lag im Geschäftsjahr 2019/20 deutlich hinter dem bereits schwachen Ergebnis des vorangegangenen Geschäftsjahres. Zwar wurden in der Tiervermarktung hinsichtlich der Stückzahlen mit insgesamt 50 261 verkauften Tieren im Jahr 2019/20 lediglich 0,9 % weniger Tiere als im Vorjahr vermarktet, der Umsatz inklusive Provisionen ging jedoch um 2,8 % auf 38,5 Mio. € zurück.

Die Umsatzerlöse im Geschäftsbereich Zucht sanken im Geschäftsjahr 2019/20 um 4,6 % auf knapp 2,2 Mio. €. Während der Hauptumsatz der Herdbuchbeiträge um 2,3 % sowie der Bereich Herdentypisierung aufgrund rückläufiger Preise für Typisierungen um 13,8 % sank, stiegen die Umsatzerlöse im Bereich Kuheinstufung und auch die sonstigen Umsatzerlöse um 3,3 % respektive 16,5 %. Im Geschäftsjahr 2019/20 wurden insgesamt 27 neue schwarzbunte und 11 rotbunte Bullenkälber für das Zuchtprogramm und die Aufzucht bei der RUW selektiert und angekauft. Diese neuen Kandidatenbullen wiesen mit 158 RZG und 2 556 RZ€ sehr hohe durchschnittliche Zuchtwerte auf.

Aufsichtsratsmitglieder wiedergewählt

Die Beschlussfassungen wurden im schriftlichen Verfahren eingeholt und nach Angaben der RUW mit breiter Zustimmung genehmigt. Die Aufsichtsratsmitglieder Karsten Krause (Hohenleimbach), Georg Geuecke (Attendorn), Hubert Ollertz-Mertens (Heinsberg) und Dirk Schulze zur Heide (Welver) standen zur Wiederwahl und wurden im schriftlichen Wahlverfahren in ihrem Amt bestätigt.