Für älteren Menschen auf dem Lande sichert das eigene Auto Mobilität und Flexibilität. Doch was, wenn ihre Fahrtüchtigkeit nachlässt, und sie drohen zur Gefahr im Straßenverkehr zu werden? Fahrlehrerin Heike Hilbig berichtet hier über das Angebot freiwilliger Fahrfitness-Checks für Senioren und Diplom-Psychologin Svenja Lüthge gibt Tipps, wie man in der Familie über dieses Thema auf Augenhöhe ins Gespräch kommt.
Heike Hilbig freut sich einmal im Jahr auf einen ganz besonderen Fahrschüler: Rudolf, 100 Jahre alt. 1954 machte der ehemalige Polizist seinen Führerschein, seit seinem 96. Geburtstag kommt er auf „Druck seiner besorgten Kinder“ zu ihr, um einen freiwilligen Fahrfitness-Check im eigenen PKW zu absolvieren. „Wir fahren dann die gewohnten Strecken des Alltags, zum Supermarkt, Arzt, Friedhof oder zur Physiotherapie“, erzählt die Fahrlehrerin und weiß nur Gutes über seine Fahrkünste zu berichten.
„Einmal fuhr er während der Fahrt plötzlich rechts ran. Schon vor mir hatte er gesehen, dass von hinten ein Krankenwagen mit Blaulicht kam.“ Dass Rudolf alljährlich sein Können am Steuer überprüfen lässt, findet sie „vorbildhaft“, und dieser weiß, dass sie ihm klipp und klar sagen würde, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, die Finger vom Lenkrad zu lassen. Selbstverständlich würde er sein Auto dann stehen lassen. Doch nicht alle seien so einsichtig wie Rudolf, meint die Fahrlehrerin. „Um seine Mutter vom Fahren abzuhalten, wusste sich ein Landwirt aus meiner Umgebung keinen anderen Rat, als den Lanz Bulldog direkt vor ihrer Garage zu parken. Doch diese sah das nicht ein, rief Polizei und Abschleppdienst.“
Seit 32 Jahren ist Heike Hilbig mit Herz und Seele Fahrlehrerin, übernahm den alteingesessenen Familienbetrieb vom Vater. Seit zehn Jahren sind Senioren das Steckenpferd der 55-Jährigen. Für dieses Klientel bietet sie freiwillige Fahrfitness-Checks im eigenen, gewohnten PKW an. Für diese sogenannten Rückmeldefahrten melden sich hauptsächlich Personen ab etwa 70 bis 75 Jahren an, meist aus freien Stücken, manchmal auch, um besorgte Angehörige zu beruhigen. Denn die Teilnehmer erhalten nach bestandenem Check eine Urkunde, die ihre Fahrtüchtigkeit bescheinigt. „Wenn ich als neutrale Instanz etwas zur Fahrweise sage und auf eine Schwäche aufmerksam mache, können die Senioren es leichter annehmen, als wenn Angehörige mit ihnen reden. Da sind dann häufig zu viele Emotionen im Spiel.“
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