Shitstorm für Schauspieler

Fotos: imago/Stefan Schmidbauer

Der Auftritt der Schauspieler Hannes Jaenicke und Sky du Mont in der Talksendung 3nach9, die Radio Bremen kürzlich ausgestrahlt hat, hat in der Landwirtschaft für Empörung gesorgt. Mit massiven Anschuldigungen kritisierten sie besonders die Milchviehhaltung in Deutschland. So behauptete Jaenicke unter anderem, Milchkühe seien „das gequälteste Produkt unseres Hungers“. Jaenicke berief sich dabei auf Recherchen zu seinem neuesten Buch „Die große Sauerei“, das dieser Tage erschienen ist. Weiterhin behauptete er, die Tiere würden „auf eine perverse Milchleistung gezüchtet“, seien „meistens krank und ständig medikamentös behandelt“. Laut du Mont würden außerdem „die Kälber alle umgebracht“, indem sie einfach in Container geschmissen und auf mehrere Schichten gestapelt würden, „wobei die unteren Kälber schließlich an Erstickungstod sterben“.

Landwirte, insbesondere Milchviehhalter, haben auf diese und weitere Anschuldigungen mit Empörung und Entsetzen reagiert. Kritisiert wird zudem, dass die Moderatoren Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo weder kritisch nachgefragt hätten, welche Belege es dafür gibt, noch die Äußerungen journalistisch eingeordnet hätten. Die Aussagen der beiden Schauspieler löste im Internet einen „Shitstorm“ aus. Kritik kam überdies auch von den Bauernverbänden.

Mittlerweile hat du Mont öffentlich auf die Kritik reagiert und sich einsichtig gezeigt. Auf die Frage „Wie kann man so wenig Ahnung von der Praxis haben und so eine Aussage tätigen?“ eines Nutzers in den sozialen Medien antwortete er: „Sie haben recht und ich bedauere meinen Fehler, den ich leider nur schwer wieder gutmachen kann. Aber ich werde es versuchen! Dumm von mir, kritiklos ,Fake News‘ zu glauben.“ Du Mont hat auch bereits die Einladung eines Kreisbauernverbandes in Niedersachsen zu einem Treffen angenommen. Von dem ebenfalls eingeladenen Jaenicke steht dagegen bislang eine offizielle Entschuldigung aus. In einer Stellungnahme wies er lediglich darauf hin, dass sich seine Aussagen nicht auf Kleinbauern oder Bio-Bauern beziehen würden, sondern auf Großkonzerne. Jeder solle zuerst sein Buch lesen, bevor er urteile. Landwirte, die das Buch bereits gelesen hätten, empfinden dieses allerdings als „zutiefst populistisch“ und sprechen von „schlechter Recherche“.

LZ meint: Die deutsche Landwirtschaft erzeugt hochwertige, heimische und regionale Nahrungsmittel. Das Wohlergehen und die körperliche Gesundheit der Tiere sind für die Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel unerlässlich und haben höchste Priorität. Dementsprechend ist es berechtigt, dass viele Landwirte ihre Enttäuschung gegenüber den Falschaussagen von Jaenicke und du Mont zum Ausdruck bringen.