Das Auto springt nicht an, der Steuerbescheid liegt im Briefkasten, das Internet hängt mal wieder. Jeder Alltag hält kleine und große Ärgernisse für uns bereit. Je nach Tagesform und Typ platzt einem dann schon mal der Kragen. Oft ärgert man sich hinterher noch mehr, vor allem wenn es nur eine Alltagsärgerlichkeit war; darüber, dass man sich überhaupt aufgeregt hat. Weil sich zu ärgern nichts bringt. Oder?
Unterwegs in der Bahn zum Stadtbummel mit der Freundin. Erst ist der Anschlusszug für unbestimmte Zeit verspätet und fällt dann später ganz aus. „Da will man einmal irgendwohin und dann klappt das wie immer nicht, typisch.“ Vor dem inneren Auge zerbröselt der Tagesablauf. Die Freundin sauer, die Shoppingtour Hektik und den letzten Zug nach Hause erwischt man bestimmt auch nicht, wenn jetzt schon so ein Chaos ist. Vor lauter Hektik kippen Sie sich den Kaffee auf die Bluse und als endlich ein Bahnangestellter auftaucht, geigen Sie ihm die Meinung: „Bei was für einem Drecksladen arbeiten Sie eigentlich!“
Schließlich soll man die Wut rauslassen, das Bauchgefühl hat immer recht. Bloß nix runterschlucken. Das höre und lese man tatsächlich sehr oft, bestätigt Andreas Knuf, Psychotherapeut und Buchautor. Diese Rateschläge hält er aber für zu simpel und „nicht hilfreich“. Den Ärger rauslassen, ändert ja nichts daran, dass kein Zug fährt. Soll der Schaffner einen herbeizaubern?
Also stoisch die Ruhe bewahren? Abwarten ob, wann und welcher Zug irgendwann irgendwohin fährt. Irgendwann ist auch der Kaffeefleck trocken. Die Freundin wird sauer sein, ist halt so. Und zur Ablenkung ein bisschen Musik oder lustige Katzenvideos. Das ist für Andreas Knuf auch keine empfehlenswerte Taktik. Ärger und unangenehme Gefühle wegzuschieben könne handfeste körperliche Probleme verursachen. Weg sind die Gefühle ja nicht, nur weil wir sie nicht anschauen. Die Emotionen und Stresshormone suchen sich dann ein körperliches Ventil. Die Folge: Bluthochdruck, Verspannungen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schwindel und eine allgemeine Daueranspannung, die uns dann irgendwann beim kleinsten Anlass aus der Haut fahren oder zusammenbrechen lässt.
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