Ursula Heinen-Esser, Umweltministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), war am Montag vergangener Woche im Königsforst bei Köln zu Besuch. „Die aktuelle Hochwasser-Katastrophe hat erneut vor Augen geführt, dass der Klimawandel in NRW angekommen ist. Ein weiteres Zeugnis ist die sichtbare Gefährdung unserer Wälder. Erst Stürme, Dürren und Waldbrände, jetzt Starkregen. Von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz und die Klimaanpassung ist der Wald. Er ist ein Seismograph des Klimawandels und massiv betroffen“, sagte sie. Die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern sei daher von zentraler Bedeutung. „Die Umsetzung unserer waldbaulichen Konzepte ist eine Antwort auf den Klimawandel“, so die Ministerin. „Ohne die gewaltige Wasserspeicherkraft der Wälder und der Waldböden wäre die Flut wohl noch dramatischer ausgefallen“, sagte sie.
Unwetter-Folgen und schnelle Hilfe
Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV) teilte mit, dass sich die Unwetter-Katastrophe regional sehr unterschiedlich auf die nordrhein-westfälischen Wälder ausgewirkt hat. Die gute Nachricht sei, dass bisher in der Wald- und Forstwirtschaft keine Toten und Verletzten im Zusammenhang mit dem Unwetter gemeldet wurden. In den Hauptschadensgebieten der Eifel, des Sauerlandes und des Bergischen Landes seien jedoch deutliche Schäden an Waldwegen und der forstlichen Infrastruktur zu verzeichnen. Das habe unmittelbare Folgen auf die auf Hochtouren laufende Bekämpfung der Borkenkäferkalamität. Schäden an den Forstamtsgebäuden wurden laut MULNV aus dem Regionalforstamt Hocheifel Zülpicher Börde und dem Nationalparkforstamt Eifel gemeldet.
Das Land stellt über den Landesbetrieb Wald und Holz 2,4 Mio. € aus vorhandenen Haushaltsmitteln zur Verfügung, um nach den Unwettern in den betroffenen Regionen kurzfristige Maßnahmen zur Instandsetzung der Infrastruktur in den Wäldern zu unterstützen und damit die Zugänglichkeit der Wälder sicher zu stellen. Zudem hat die Landesregierung unbürokratische und schnelle Soforthilfe auch für die Forstwirtschaft zugesagt.
Über 30 Mio. m3 Käferholz
Nach einer aktuellen Erhebung des Landesbetriebes Wald und Holz NRW umfassen die Schäden durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer allein in der Fichte seit 2018 bereits 30,8 Mio. m3 Käferholz. Das Umweltministerium unterstütze die Schadensbewältigung und Wiederbewaldung mit umfangreichen Förderangeboten. Allein 2021 stehen insgesamt mehr als 75 Mio. € zur Verfügung. Im Bereich der Extremwetterförderung liegen laut dem MULNV bislang 3 600 Anträge mit einem Volumen von über 60 Mio. € vor. Davon seien bereits 2 600 Maßnahmen mit einem Volumen von 44 Mio. € bewilligt.
Wie sich das insgesamt kühlere und feuchtere Wetter in diesem Jahr auf die Wälder auswirkt, untersuchen Experten aktuell im Rahmen der diesjährigen Waldzustandserhebung. Der Besuch von Ministerin Heinen-Esser markierte den offiziellen Auftakt der Erhebung.
Sorge bereitet der weiterhin hohe Borkenkäferbefall: Aktuell beginnt der zweite Käferflug. Wie stark die zweite Käfergeneration wird, hängt von der weiteren Witterungsentwicklung ab. „Wichtig ist daher, dass weiterhin alle Anstrengungen auf die Aufarbeitung des forstschutzrelevanten Holzes konzentriert werden“, erläuterte Stephan Schütte, Leiter Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW, bei dem Besuch von Ursula Heinen-Esser.