Ausblick und Rückblick auf den Milchmarkt – dies steht traditionell auf der Tagesordnung der Halbjahrespressekonferenz der Landesvereinigung Milchwirtschaft NRW (LV Milch NRW). Dies war auch am Mittwoch vergangener Woche der Fall. Dabei blicken die Milcherzeuger in NRW auf ein recht schwieriges Jahr 2019 zurück und auch für das Jahr 2020 zeigte sich Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer der Landesvereinigung, verhalten optimistisch. „Die Bäume wachsen wahrscheinlich nicht in den Himmel. Wir erwarten stabile bis leicht steigende Milchpreise“, betonte Schmidt. Im vergangenen Jahr lag in NRW der Milchpreis bei geschätzt 33,2 Cent/kg Milch und damit um 0,5 Cent unter dem Vorjahresniveau.
Insgesamt setzte im vergangenen Jahr die Trockenheit den Milcherzeugern nicht nur in NRW wieder kräftig zu und erhöhte die Produktionskosten. Erschwerend hinzu kamen der enorme Investitionsdruck durch zunehmende Umweltauflagen, die Umsetzung der neuen Düngeverordnung und baurechtliche Vorgaben für die Lagerung von Gülle und Silage. „Die Umwelt- und Naturschutzvorgaben sind die neue Quotenregelung“, zeigte sich Schmidt überzeugt. Die Milcherzeuger fühlten sich aufgrund der vielen Auflagen überfordert, zu Unrecht an den Pranger gestellt und hätten bei den zahlreichen Bauernprotesten „ihre nackte Angst um die Existenz“ deutlich zum Ausdruck gebracht, betonte der Geschäftsführer. Die Gesellschaft müsse die Proteste als „Warnschuss“ sehen. Viele Betriebe, insbesondere diejenigen, die vor dem Generationswechsel stehen, würden ans Aufhören denken, warnte der Geschäftsführer.
Der Strukturwandel werde sich in Zukunft noch verschärfen, zeigte sich Schmidt überzeugt. Nach Angaben der LV Milch NRW war der Strukturwandel in den vergangenen 40 Jahren enorm und hat seit 1980 bereits zur Aufgabe von 38 500 Milchviehbetrieben beziehungsweise 88 % der ursprünglich fast 43 900 Milchbauern in NRW geführt. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Milchkuhhalter in unserem Bundesland um 4,4 % auf rund 5 300 Betriebe gesunken und der Milchkuhbestand um 2 % auf 401 400 Tiere.
Keine Gefahr durch Brexit
Auch wenn in NRW im vergangenen Jahr im Zeitraum Januar bis Oktober im Vergleich zum extrem trockenen Vorjahr 7,6 % mehr Milch erzeugt wurden, geht der Trend sowohl in Deutschland als auch EU- und weltweit eher hin zu niedrigeren Milchmengen. Der Trend zu einer steigenden Milchproduktion sei damit gebrochen, so Schmidt. Seiner Einschätzung nach wird sich dies preisstützend auf das Jahr 2020 für die
Milcherzeuger auswirken. Dazu beitragen dürften auch Umweltauflagen in Mitgliedstaaten der Gemeinschaft oder in Neuseeland sowie die Schäden in der australischen Milchwirtschaft durch die derzeitigen Brände. Zudem geht die LV Milch davon aus, dass China am Weltmarkt voraussichtlich weiterhin große Milchmengen nachfragen wird, um die durch die Afrikanische Schweinepest entstandene Eiweißlücke zu schließen. Negativ auswirken auf die Milchpreise in diesem Jahr könnte sich allerdings das international politisch unsichere Umfeld. In Sachen Brexit gab sich der Geschäftsführer optimistisch. Die Exporte von Deutschland in das Vereinigte Königreich seien mit Ausnahme von Käse nicht so hoch und daher erwarte man hier „keine großen Verwerfungen“.
Bio- und Weidemilch gefragt
Und wie sieht es auf der Nachfrageseite aus? Hier gibt es deutliche Trends. Der Konsummilchverbrauch in Deutschland ging im vergangenen Jahr erneut zurück. Die Absatzentwicklung von Butter hat sich dagegen stabilisiert und die Nachfrage nach Käse sowie nach Quark und Sahne ist ebenfalls seit Jahren stabil. Einen Aufwärtstrend gibt es lediglich zu verzeichnen bei Biotrinkmilch (+ 8,7 %) und Weidemilch (+ 12,9 %). Allerdings bewegen sich die Mengen von Bio- und Weidemilch insgesamt auf einem sehr geringen Niveau von 8 bis 10 % bei der Biomilch und 2 bis 3 % bei der Weidemilch. el