In den vergangenen Tagen führten Diskussionen rund um den Milchmarkt zu Unstimmigkeiten. Wir haben wichtige Positionen für Sie zusammengefasst:
Klöckner für private Lagerhaltung der EU: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die EU-Kommission am Dienstag dieser Woche aufgefordert, „möglichst frühzeitig die Gewährung finanzieller Unterstützung zur privaten Lagerhaltung von Magermilchpulver in Betracht zu ziehen“. Als Grund nennt die Ressortchefin in einem Schreiben an EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski die Befürchtungen, dass die Marktpreise für Milch und Milcherzeugnisse im Zuge der Corona-Krise weiter absinken könnten. Nach Ansicht der CDU-Politikerin sollten je nach Entwicklung – wenn nötig – weitere Schritte zur Stützung folgen.
Des Weiteren erinnert Klöckner in ihrem Brief an Wojciechowski daran, auch andere Agrarmärkte wie die für Rindfleisch, Obst und Gemüse sowie Wein intensiv im Blick zu behalten. Auch hier dürfe man den Einsatz möglicher Kriseninstrumente im Rahmen der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) nicht ausschließen. Bereits in der vergangenen Woche hatten Klöckner und ihr französischer Kollege Didier Guillaume nach einem gemeinsamen Telefonat entsprechende Forderungen an Brüssel gerichtet. Wichtig sei vor allem die Aufrechterhaltung eines weitgehend reibungslosen Binnenhandels in der EU.
DRV befürwortet Milchmengendrosselung: Die Corona-Krise hat die Absatzmöglichkeiten für Milchprodukte stark verändert. Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Franz-Josef Holzenkamp, appellierte am Mittwoch vergangener Woche an die Verantwortlichen der genossenschaftlichen Unternehmen, sich bei Vermarktungsproblemen für eine geringere Produktion einzusetzen, um Verwerfungen zu vermeiden. Dem DRV-Präsidenten zufolge führt die Corona-Pandemie zu einem erschwerten Exportgeschäft sowie gänzlich weggebrochenen Absatzmöglichkeiten nach Südeuropa, in der Gastronomie und im Großverbraucherbereich. Dem stehe eine auch durch Bevorratungskäufe der Verbraucher hohe Nachfrage aus dem Lebensmitteleinzelhandel gegenüber. Die Molkereigenossenschaften seien durch diese gegenläufigen Entwicklungen in Abhängigkeit von ihren Produktsortimenten sehr unterschiedlich betroffen. Während eine Gruppe von Molkereien zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Milchprodukten derzeit einen hohen Milchbedarf habe, sähen sich andere mit Absatzproblemen und stark rückläufigen Umsätzen konfrontiert.
Menge reduzieren: Einige Milcherzeugergemeinschaften und Molkereien, wie die Bayern MeG und die Schwälbchen Molkerei, haben ihre Lieferanten dazu aufgerufen, die Milchmenge um rund 20 % zu reduzieren. Der DBV fordert EU-Kommission und Molkereien auf, angesichts des Corona-Geschehens angemessen auf die aufgetretenen Verwerfungen zu reagieren. So gelte es seitens der EU Beihilfen zur privaten Lagerhaltung von Milchprodukten auf den Weg zu bringen. Zudem seien die Molkereien gefordert, gemeinsam mit ihren Lieferanten Lösungsansätze zur Abmilderung der mit Preisschwankungen verbundenen Folgen voranzutreiben. Hierzu gehören auch Elemente zur Milchmengenplanung und -steuerung sowie Festpreismodelle. Die deutschen Molkereien hinken hier im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern sowie zu anderen Agrarsektoren weiterhin hinterher.
ah