EU-Agrarkommissar Christophe Hansen in Berlin
„Wir sprechen die gleiche Sprache“, war die Antwort von Christophe Hansen auf die Frage, was die deutschen Landwirte von ihm erwarten könnten. Wenige Wochen im Amt stattete der neue EU-Agrarkommissar der Grünen Woche seinen Besuch ab und traf sich dort mit etlichen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verbänden der Land- und Ernährungswirtschaft. Dabei reiste er mit leichtem Gepäck. Denn viel Konkretes über seine Vorhaben wollte er noch nicht publik machen.
In etwa einem Monat will der Politiker und Landwirtssohn aus Luxemburg aber seine Vision vorstellen. Die wird Hansen zufolge zwar auf dem Strategischen Dialog aufbauen, aber keine „einfache Kopie“ sein. Mitte des Jahres will er, nachdem die EU schon im vergangenen Jahr erste Vereinfachungen auf den Weg gebracht habe, zudem ein zweites Entlastungspaket vorlegen. Darüber hinaus steckte er die Eckpunkte seiner künftigen Politik nur grob ab. Aber das genügte schon, die Landwirtinnen und Landwirte, auf die er überall auf der Grünen Woche getroffen ist, für sich einzunehmen. Sie hörten nicht nur beim Eröffnungsabend der Messe, dem offiziellen Eröffnungsrundgang über das Messegelände oder dem Neujahrsempfang des Deutschen Bauernverbandes (DBV) eine sprachliche Übereinstimmung, weil der Luxemburger weite Teile seiner Ansprachen in glasklarem Deutsch hielt. Die Bäuerinnen und Bauern nahmen auch viele inhaltliche Übereinstimmungen wahr.
Die betreffen zum Beispiel die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP). Hier benötige die Branche Vorhersehbarkeit. Hansen sicherte deshalb zu, dass die Reform der GAP keine Revolution sein wird. Er werde außerdem für ein starkes Agrarbudget im Haushalt der EU kämpfen. Dieses stellte er in einen engen Zusammenhang damit, dass die Landwirtschaft als Berufsfeld für den Nachwuchs attraktiv bleibt. Er verwies dabei auf eine Erhebung, wonach weniger als 12 % der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter in der EU 40 Jahre oder jünger seien. Neben Verlässlichkeit käme es auch auf faire Preise an.
Hansen, der selbst von einem Milchviehbetrieb in Luxemburg stammt, nutzte die Grüne Woche aber auch, um eine Lanze für das Ansehen der Landwirtschaft zu brechen. Gegenüber Journalisten äußerte er seine Sorge, dass Landwirte „zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt werden“. In einer Schwarz-Weiß-Malerei sieht er keine Lösung für die Herausforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft. Die Landwirtschaft sei nicht nur „das erste Opfer des Klimawandels“, sondern auch der „wichtigste Helfer“.
ds