In der Landwirtschaft steht eine harte Tarifrunde an. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) geht mit der Forderung nach einer Lohnerhöhung von 15 % in die Verhandlungen mit den Arbeitgebern, die am 31. Oktober 2025 in Kassel beginnen. IG-BAU-Bundesvorstandsmitglied Christian Beck begründete die Festlegung damit, dass aufgrund der deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten ein kräftiger Lohnaufschlag nötig sei. Die Arbeitgeberseite reagierte prompt. Der Präsident vom Gesamtverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA), Hans-Benno Wichert, wies die Gewerkschaftsforderung in der aktuellen Lage als „völlig unangemessen“ zurück. Eine Erhöhung um 15 % übersteige die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Betriebe.
Beck nannte als Zielmarke ein Entgelt von 18 € pro Arbeitsstunde für eine ausgebildete Fachkraft. Derzeit würden 15,64 € bezahlt. Daraus ergebe sich die Forderung nach 15 % Erhöhung für die bundesweit knapp 500 000 Beschäftigten in der Branche. Eine Rolle dürfte auch spielen, dass der Mindestlohn in den kommenden beiden Jahren in zwei Schritten von derzeit 12,82 auf 14,60 € steigen soll. GLFA-Präsident Wichert betonte, dass die Tarifrunde 2025 in eine Zeit falle, in der die Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse einbrächen, sei es im Getreide- oder Schweinesektor oder sich abzeichnend auch im Milchsektor. Obst-, Gemüse- und Weinbaubetriebe kämpften angesichts des steigenden Mindestlohns und des massiven Wettbewerbsdrucks durch im Ausland zu weit günstigeren Löhnen produzierte Erzeugnisse vielfach um ihre Existenz. Mit ihrer überzogenen Forderung gefährde die Gewerkschaft landwirtschaftliche Produktion in Deutschland und damit die Arbeitsplätze der in der Landwirtschaft beschäftigten Arbeitnehmer.
Nach Redaktionsschluss für die gedruckte LZ-Ausgabe meldete die IG BAU den Abschluss der Entgelttarifverhandlungen im Bereich Lohnunternehmen. Die Hauptverhandlungen dazu hatten bereits im März begonnen. Der Abschluss sieht rückwirkend zum 1. April 2024 ein Plus von 10,3 % in der Lohngruppe 3 – landwirtschaftliche Fachkräfte – vor. Alle anderen Lohn- und Gehaltsgruppen erhalten ebenfalls rückwirkend zum April 4,5 % mehr. Weitere Steigerungen in ausgewählten Lohn- und Gehaltsgruppen sind für Januar 2026 vorgesehen.
AgE/ds