Tausende „Ende Gelände“-Aktivisten laufen über Äcker

Foto: Ende Gelände

Nach drei Tagen beendete das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ am vergangenen Sonntag seine Protestaktion gegen den Kohleabbau im Rheinischen Revier. Über 6 000 Menschen blockierten nach eigenen Angaben zentrale Knotenpunkte des Rheinischen Braunkohlereviers. Fast 48 Stunden besetzten die Aktivisten die Schienenzufuhr zum Kraftwerk Neurath. Im Tagebau Garzweiler standen die Bagger still, nachdem am Samstag Tausende Aktivisten in den Tagebau eingedrungen waren. „Wir haben dieses Wochenende Klima-Geschichte geschrieben: Die Klimakrise erfordert einen sofortigen Kohleausstieg“, so Nike Mahlhaus, Pressesprecherin von „Ende Gelände“.

Die Polizei Aachen berichtet, dass sie in den frühen Sonntagmorgenstunden die letzten Aktivisten aus dem Tagebau Garzweiler transportiert haben. Sie waren am Samstag in einer teils gewaltsamen Durchbruchaktion in den Tagebau gelangt und hatten sich trotz vielfacher Aufforderung von dort aus eigener Initiative nicht entfernt. „Dabei begaben sich die Aktivisten nicht nur selbst in Lebensgefahr, sondern nahmen diese Gefahr auch für alle anderen Beteiligten, wie insbesondere die Einsatzkräfte, in Kauf“, hieß es in der Pressemitteilung der Polizei Aachen.

Die Stadtverwaltung Viersen hatte da-rüber hi­naus Donnerstag und Freitag begonnen, Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen und Falschparker abzuschleppen. Wie die „Neue Ruhr Zeitung“ (NRZ) berichtet, hatte die Stadt Viersen wegen der vielen Menschen im Camp für den Aachener Weg vorübergehend Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit angeordnet und für das kurze Stück auf der Eisenbahnbrücke Tempo 10. Am Samstag wurde rund ein halbes Dutzend Falschparker abgeschleppt, am Freitag waren es doppelt so viele gewesen. „Wir haben uns da­rauf konzen­triert, wirklich nur die abzuschleppen, die eine Gefährdung darstellen“, versicherte Stadtsprecher Frank Schliffke. Allein am Samstag gingen laut NRZ über 100 Temposünder ins Netz. Der Eiligste von ihnen war mit 89 km/h in einer 30-km/h-Zone unterwegs.

In den sozialen Medien haben sich unterdessen zahlreiche Landwirte darüber aufgeregt, dass Tausende Aktivisten quer über die Äcker gelaufen seien. „Bauer Willi“ zeigt unter dem Titel „Asoziale Klimagegner latschen durch Äcker“ das Video der Aktivisten, wie sie sich beim Gang durch ein Möhrenfeld filmen. Die Diskussion ist öffentlich nachzulesen unter www.facebook.com/derbauerwilli/.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner kritisiert die Ignoranz sogenannter Umweltaktivisten gegenüber dem Eigentum von Bauernfamilien. „Wer achtlos über Gemüsefelder trampelt, Ernte und damit Eigentum zerstört, der geht respektlos mit Lebensmitteln um und der hat ein Glaubwürdigkeitspro­blem bei seinem Kampf für das Klima. In Lebensmitteln stecken wertvolle Ressourcen, sie einfach zu zerstören und damit auch einen Teil der Grundlage von Bauern, das ist elitäres, ignorantes Verhalten. So kann sich nur jemand benehmen, der keine ordentliche Kinderstube hat und die ehrliche, harte Arbeit von Bauern nicht kennt – aber sonst sofort eine Meinung dazu hat“, so Klöckner.           ah