Vion-Rindfleischsparte: Kartellamt befürchtet zu große Marktmacht
Das Vorhaben der Tönnies-Gruppe, die deutschen Rindfleischaktivitäten der Vion Food Group zu kaufen, ist gescheitert. Das Bundeskartellamt hat den geplanten Deal untersagt. „Die Übernahme der Vion-Standorte hätte die Marktposition von Tönnies zum Nachteil der Landwirte und der verbleibenden kleineren Wettbewerber in den betroffenen Regionen bedenklich verstärkt“, erklärte der Präsident der Behörde, Andreas Mundt, am Donnerstag vergangener Woche zur Begründung. Der Beschluss des Bundeskartellamtes ist allerdings noch nicht bestandskräftig. Gegen ihn kann Beschwerde eingereicht werden, über die dann das Oberlandesgericht Düsseldorf zu entscheiden hätte.
Das Nein des Bundeskartellamtes zur Übernahme mehrerer Rinderstandorte der Vion Food Group stößt bei der Tönnies-Gruppe auf große Enttäuschung. „Diese Entscheidung ist ein harter Schlag für die Landwirte in Süddeutschland, die seit Monaten auf eine klare Zukunftsentscheidung gehofft haben“, erklärte Tönnies in einer ersten Reaktion. Es sei ein tragfähiges Zukunftskonzept aufgestellt worden. Das Unternehmen kündigte an, die genaue Begründung des Kartellamtes zu prüfen und dann über etwaige Rechtsbehelfe zu entscheiden.
Gefasster zeigte sich Vion. Man nehme den negativen Bescheid des Kartellamtes zum geplanten Deal mit Tönnies zur Kenntnis und respektiere das Ergebnis des Regulierungsprozesses, heißt es in einer Stellungnahme. Vion hob hervor, dass die Entscheidung keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Tagesgeschäft habe. Das eigene Transformationsprogramm habe zu guten Ergebnissen seit Jahresbeginn geführt. Das Unternehmen sei seither erfolgreich refinanziert worden. Die deutschen Gesellschaften arbeiteten weiterhin profitabel. Auch Vion will nun die Bewertung des Kartellamtes analysieren.
Die Entscheidung des Bundeskartellamtes, Tönnies die Übernahme der drei Vion-Schlachthöfe in Buchloe, Crailsheim und Waldkraiburg zu untersagen, bereitet der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) Sorgen um eine ausreichende Schlachthofstruktur in Bayern. Zwar sei nachvollziehbar, dass das Bundeskartellamt eine zu große Marktmacht von Tönnies verhindern wolle, räumte die ISN ein. Für die Schweinehalter in Süddeutschland könnten sich aber nachteilige Struktureffekte ergeben, wenn der Standort in Crailsheim nicht erhalten bleiben sollte. Dort würden jedes Jahr mehr als 1 Mio. Schweineschlachtungen durchgeführt; das sei fast jede dritte in Bayern. Bei einer Schließung stelle sich daher die Frage nach einer Alternative zu diesem Standort. Die schlechteste Lösung wäre der Wegfall dieses Standorts, so die ISN. Er ginge mit einem regionalen Schlachtengpass einher.
AgE