Umweltinstitut beklagt Verbreitung von Agrarchemie durch die Luft

Foto: imago images/blickwinkel

Das Umweltinstitut München prangert gemeinsam mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft die weiträumige Verbreitung von Pflanzenschutzwirkstoffen durch die Luft an. Im Rahmen einer von beiden Organisationen am Dienstag vergangener Woche in Berlin an Bundesumweltministerin Svenja Schulze übergebenen Studie hat das Forschungsbüro „TIEM Integrierte Umweltüberwachung“ zwischen 2014 und 2019 an insgesamt 163 Standorten in ganz Deutschland Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln fernab von Acker und Grünland gefunden.

Insgesamt seien 138 Stoffe nachgewiesen worden, von denen 30 % nicht mehr oder noch nie zugelassen gewesen seien, teilten das Umweltinstitut und das Bündnis in Berlin mit. Vage blieben sie bei der Vorstellung der Studienergebnisse allerdings hinsichtlich der tatsächlichen Gefährdung, die von den gemessenen Werten ausgeht. Karl Bär, Agrarreferent im Umweltinstitut, sieht ungeachtet dessen die Verbreitung von Pflanzenschutzmitteln durch die Luft als nachgewiesen an und wirft der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor, diesen Verbreitungsweg bei der Zulassung der Wirkstoffe ignoriert zu haben.

Der Vorsitzende vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft, Boris Frank, konstatierte, dass die Studie belege, dass Pestizide über die Luft auch auf biologisch bewirtschaftete Äcker gelangten. Vor diesem Hintergrund forderten beide Organisationen das sofortige Verbot der fünf Wirkstoffe Glyphosat, Pendimethalin, Prosulfocarb, Terbuthylazin und Metolachlor, den Ausstieg aus dem Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel bis zum Jahr 2035 und die Entschädigung von Biobauern bei Nachweis solcher Wirkstoffe in ihren Erzeugnissen. Während sich Umweltschutz- und Ökoverbände erwartungsgemäß hinter diese Forderungen stellten, kritisierte der Industrieverband Agrar (IVA) die vorgelegte Studie als „alarmistisch und wissenschaftlich nicht valide“. Schulze erklärte bei der Übergabe, sie wolle sich weiterhin für mehr Ökolandbau und weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen. AgE