Der Schock sitzt tief. Der Angriff des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Ukraine ist für uns nach wie vor unfassbar und stellt die Welt auf den Kopf.
Wenn mir vor wenigen Jahren einer gesagt hätte, ich würde einmal eine Pandemie und auch einen Krieg in Europa erleben, dann hätte ich abgewinkt und nur müde gelächelt. So etwas hätte ich ehrlich gesagt im 21. Jahrhundert nicht für möglich gehalten. Und mit dieser Einstellung stehe ich nicht alleine da. Die meisten von uns wähnten sich doch in großer Sicherheit hier bei uns in Europa. Aber die Realität hat uns eingeholt. Seit gut zwei Jahren schon sind wir mit der Corona-Pandemie konfrontiert, jetzt auch noch mit Krieg in Europa. Seit dem 24. Februar ist unsere schöne, sichere Welt nicht mehr in Ordnung. An dem Tag marschierten russische Truppen in die Ukraine ein. Eigentlich unvorstellbar!
Und unvorstellbar ist inzwischen auch die große Not, die in der Ukraine herrscht. Schon längst werden nicht mehr nur militärische Stützpunkte beschossen, sondern es trifft auch Wohnhäuser, Krankenhäuser und vieles mehr, ja sogar die Zivilbevölkerung. Eine regelrechte Flüchtlingswelle hat eingesetzt. Über 1,5 Mio. Menschen, insbesondere Mütter und ihre Kinder, haben die Ukraine seit Kriegsbeginn verlassen und es werden täglich mehr. Diese Menschen haben ihr Zuhause verloren und Frauen wissen nicht, ob sie ihre Männer je wiedersehen, und die Kinder ihre Väter, die in der Ukraine zum Kämpfen zurückgeblieben sind. Die Menschen in der Ukraine haben Angst. Und Angst haben auch viele Menschen in ganz Europa – Angst davor, dass dieser Krieg eventuell zu uns überschwappt.
Die Bilder, die wir tagtäglich aus der Ukraine zu sehen bekommen, machen uns fassungslos. Aber bei aller Fassungslosigkeit, die Solidarität gegenüber dem Verhalten von Putin in der Ukraine ist enorm und beeindruckend. Noch nie war der Westen so einig wie jetzt, bis dato eigentlich unvorstellbar. Vor allen Dingen mit wirtschaftlichen Sanktionen versucht man gegen Putin vorzugehen. Ein enormes Zeichen der Solidarität. Und richtig große Solidarität zeigt sich auch in vielen Hilfsmaßnahmen: Viele Länder sind bereit, die ukrainischen Flüchtlinge aufzunehmen. Allen voran Polen, das Land, das eigentlich bis jetzt die Aufnahmen von Flüchtlingen blockiert hat. Es ist beeindruckend, wie viel Hilfsbereitschaft die Menschen aus der Ukraine erfahren in Form von Sachspenden, aber auch von Geldspenden oder von Privatleuten, die ihnen eine Unterkunft gewähren.
Beeindruckend ist auch die große Solidarität, mit denen Menschen weltweit auf die Straße gehen, um gegen Putins brutalen Angriffskrieg zu protestieren. Beeindruckend war unter anderem der diesjährige Rosenmontagszug in Köln. Er wurde kurzerhand zum Zug für den Frieden. 250 000 Demonstranten waren in der Hochburg des rheinischen Karnevals unterwegs und die Forderungen waren eindeutig: „Frieden für die Ukraine!“, „Stoppt Putin, stoppt den Krieg!“ war auf Plakaten zu lesen. Und in vielen anderen deutschen Städten fanden und finden weiterhin Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine statt.
Auch Menschen aus der Landwirtschaft zeigen sich solidarisch mit den Menschen in der Ukraine. Die Ortsbauernschaft Eschweiler-Dürwiß beispielsweise hat am Donnerstag vergangener Woche, eine Woche nach Kriegsbeginn in der Ukraine, ein Zeichen des Friedens und der Solidarität gegenüber ihren ukrainischen Berufskollegen gesetzt. Hier versammelten sich 80 Traktoren auf dem Drieschplatz in Eschweiler, um ein großes Peace-Zeichen und die Buchstaben UA zu formen. Insgesamt eine unvorstellbare Solidarität, die die Menschen aus der Ukraine erfahren dürfen.
Unvorstellbar war aber auch bis vor wenigen Jahren noch, dass Europa mal in Versorgungsengpässe geraten könnte. Schon die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass das durchaus sein kann und bisher gut funktionierende Lieferketten „wackeln“ können. Aber möglicherweise müssen wir uns gerade vor dem Hintergrund der Situation in Russland und der Ukraine zukünftig mehr darauf einstellen, dass es bei Lebensmitteln zu Engpässen kommen kann. Hoffentlich ist die Politik klug genug, das zu verhindern. Die Bäuerinnen und Bauern jedenfalls sind dazu bereit, ihren Beitrag zu leisten und die Ernährungssicherung weiterhin zu gewährleisten.