Update Tönnies

Foto: imago images/Hans Blossey

Nach vier Wochen coronabedingter Zwangspause werden heute bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wieder Schweine geschlachtet; es ist von 6 000 bis 8 000 Tieren die Rede. Auch wenn damit die normale Kapazität nicht einmal zur Hälfte ausgenutzt wird und die Zerlegung erst morgen probeweise beginnen soll, ist die Erleichterung bei den Schweinehaltern und dem gesamten Berufsstand groß. „Dieser Schritt war dringend notwendig, auch überfällig und ist schließlich auch ein wichtiges Signal zur Normalisierung der Märkte“, erklärte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken.

_____

Im Tönnies-Schlachthof Rheda-Wiedenbrück durften vergangene Woche wieder Mitarbeiter der Verwaltung sowie der Technik und des Arbeitsschutzes ihre Arbeit aufnehmen. Schlachtung und Zerlegung ruhten dagegen weiterhin. Letzter Stand zu Redaktionsschluss dieser LZ-Ausgabe war, dass die Allgemeinverfügung für deren Schließung weiter bis zum 17. Juli gilt. Das Tochterunternehmen Tillmann´s Convenience konnte jedoch wieder in Betrieb gehen. Nach Beratungen verschiedener Behörden, Experten und dem Unternehmen über das von Tönnies vorgelegte erweiterte Hygienekonzept am Donnerstag der Vorwoche äußerte die Detmolder Regierungspräsidentin Judith Pirscher, dass es für eine Gesamtbewertung „noch zu früh sei“. Es bestehe das gemeinsame Ziel „Sicherheit vor Schnelligkeit“. Zur Ausführung von vorbereitenden Hygienemaßnahmen sei laut Stadt Rheda-Wiedenbrück der Bereich Technik essenziell. Darunter fielen beispielsweise das Montieren von Schutzelementen in Kantinenbereichen und Teilen der Produktion. Außerdem erfolge die Installation einer neuen Filtertechnik, weil die Luftumwälzung als möglicher Faktor für die Virusausbreitung erkannt worden sei. Der fortdauernde Ausfall des größten deutschen Schweineschlachters sowie die aus Hygieneschutzgründen verringerten Kapazitäten in anderen Schlachtbetrieben haben zu einem großen Rückstau bei schlachtreifen Tieren geführt. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums fallen derzeit etwa 14 % der normalen Kapazitäten weg. Auf Kritik stieß die deutliche Erzeugerpreissenkung beim Deutschen Bauernverband (DBV). Die Bundestierärztekammer (BTK) warnte vor aufkommenden Tierschutzproblemen in den Ställen oder bei nun längeren Transporten. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) kritisierte, dass die Erzeuger zusätzlich zum Preisverfall auch noch Abzüge für zu schwere Schweine schultern müssten. Die Sauenhalter hätten durch sinkende Ferkelpreise ebenfalls herbe Verluste. Allein in der vergangenen Woche belaufe sich der Schaden für die Schweinehalter auf rund 20 Mio. €.

Age/ds