Vertrauen in die Rübe

Natascha Kreuzer

Eine Zeitung nur über Zuckerrüben? Braucht man die eigentlich? Unbedingt, dachten sich die Gründerväter des Zuckerrübenjournals vor 50 Jahren. Ein Blick über die rheinischen Grenzen gibt ihnen recht, auch für die Rübenanbauer in Süd- und Norddeutschland gibt es eigene Rüben-Zeitungen. Das hat einen guten Grund, denn der Anbau ist hoch spezialisiert und in der Rüben-Welt einiges anders als bei anderen Kulturen.

Das Besondere am Zuckerrübenjournal ist die Tatsache, dass Anbauer, Berater und Verarbeiter zusammenarbeiten. Die Arbeitsgemeinschaft Zuckerrübenanbau als Herausgeber, bestehend aus dem Rheinischem Rübenbauer-Verband, Pfeifer & Langen und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, ist die Gewähr für eine breite Themenvielfalt, die den Anbauern nicht nur bei der Kulturführung, sondern vor allem in der komplizierten Welt der europäischen Agrarpolitik hilft.

Blickt man in die ersten Ausgaben des Zuckerrübenjournals aus den 1970er-Jahren, fällt vor allem auf, welche enorme Entwicklung der Rübenanbau und der Ackerbau durchlaufen haben. Im Jahr 1972 gab es noch keine Saatgutbeizung und das monogerme Saatgut hat sich erst später durchgesetzt.

Heute, 50 Jahre später, wird ganz gezielt gedüngt und Pflanzenschutz mit kleinsten Mengen nur bei Bedarf eingesetzt. Auf diese Entwicklung können Landwirtinnen und Landwirte zu Recht stolz sein, denn Ackerbau erfordert heute viel Know-how. Gerade im Rheinland haben sie früh nachgerechnet und schon alleine aus Kostengründen versucht, Dünger und Pflanzenschutz effizient einzusetzen – auch wenn in den guten Zeiten mit der Rübe Geld verdient wurde. Arbeitszeit einzusparen und die Mechanisierung zu verbessern waren immer Ziele im Rübenanbau und wurden konsequent umgesetzt.

Die Entwicklung vom Einreiher zum selbstfahrenden Sechsreiher hat das Zuckerrübenjournal intensiv begleitet. Die Innovationen in der Technik waren aber nur möglich, weil mit der Rübe Geld verdient wurde und sie als sichere Bank für die Zukunft galt. Auch wenn die Sechsreiher zunächst wegen ihres hohen Gewichts und der möglichen Bodenverdichtungen nicht ohne Skepsis gesehen wurden, haben sie sich durchgesetzt – gemeinschaftlich eingesetzt sind sie einfach kostengünstiger.

Für die nächsten 50 Jahre Zuckerrübenjournal stehen vielleicht ganz andere Innovationen auf dem Plan. Eine deutet sich schon an: die Roboter. Die ersten Hackroboter haben noch Kinderkrankheiten und sind noch nicht wirklich praxisreif, aber das wird kommen. Die spannende Frage könnte sein: Kommen kleine Roboter, die so groß wie Rasenroboter sind und im Schwarm auf dem Feld arbeiten, oder vielleicht große, autonom fahrende Schlepper und Roder? Denkbar ist beides, vermutlich wird es einen Mix aus beidem geben.

Große Fortschritte hat es in der Züchtung neuer Sorten gegeben, sie haben der Rübe in den letzten 20 Jahren einen echten Ertragsschub gegeben. In den 1990er-Jahren wurde im Journal über stagnierende Erträge geklagt im Vergleich zu Süd- oder Norddeutschland. Ganze Artikelserien gab es dazu, Hauptverdächtige waren meist die Nematoden. Seit der Einführung von toleranten und resistenten Sorten ist das alles Geschichte, die 20 t/ha Zuckerertrag sind längst geknackt.

Die Rübe wird von den Anbauern gehegt und gepflegt – zu Recht! Da darf auch der besorgte Blick auf die Bestände im Sommer nicht fehlen. Der ist meist verbunden mit dem Hinweis, dass die Rübenernte dieses Jahr nicht gut wird, weil es zu trocken oder zu nass, zu kalt im Frühjahr oder zu heiß im Sommer war. Hier wäre doch ein bisschen mehr Vertrauen in die Rübe angebracht. Tatsächlich ist sie eine ziemlich leidensfähige Pflanze, kommt mit Trockenheit zurecht wie keine andere Kultur im Rheinland und holt aus schlechten Bedingungen noch viel he­­raus. Erfreulicherweise sind am Ende die Erträge meist besser als befürchtet. Die Rübe hat ein großes Regenerationsvermögen und da­­rauf sollte man bauen, sie ist nicht umsonst die Königin der Feldfrüchte.

Durchhaltevermögen kann man im Übrigen der ganzen Branche bescheinigen, die schon manche Krise überstanden hat, da braucht man nur an die letzten Jahre zu denken. Bleibt zu hoffen, dass Zucker weiter knapp bleibt und die Preise gut. Die Rübe hat Zukunft. Der züchterische und technische Fortschritt wird weiter Innovationen bringen, an die heute noch niemand denkt und die den Anbau weiter voranbringen werden. Der Trend zur regionalen Versorgung hat sich durch den Krieg verstärkt. Dank der guten Bedingungen im Rheinland liegt hier die Stärke der Branche. Das Zuckerrübenjournal wird auf jeden Fall weiter berichten, wichtige Themen aufgreifen und den Anbauerinnen und Anbauern zur Seite ­stehen.

Natascha Kreuzer