Vielfalt und Fokus

Foto: Katja Brudermann

50 verschiedene Gemüsekulturen auf 4 ha Fläche – das hohe Pensum an Handarbeit leisten zehn Fachkräfte und Auszubildende gemeinsam mit bis zu zwölf Menschen mit Behinderung. Die vielseitige Gärtnerei im Deggenhausertal ist in ein Camphill-Dorf eingegliedert – eine Behinderteneinrichtung, in der rund 350 Menschen gemeinsam leben und in verschiedenen Bereichen arbeiten.

Die schweren Böden und die Höhenlagen zwischen 570 und 750 m sind für einen professionellen Gemüsebaubetrieb nicht die erste Wahl. Grünland, Streuobstwiesen und vereinzelt Getreide sind im Deggenhausertal unweit des Bodensee-Nordufers deutlich häufiger anzutreffen als Gewächshäuser. Dass auf dem Lehenhof bereits seit vielen Jahren Gemüse produziert wird, hat andere Gründe. „Für die Menschen mit Behinderungen, die hier leben, bietet der Gemüsebau ein wichtiges Arbeitsfeld. Es gibt hier eine große Auswahl an Tätigkeiten, sodass sich für Menschen mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten etwas Passendes findet, und zudem hat die Arbeit mit der Erde einen guten Einfluss auf das Wohlbefinden“, erklärt Stephan Bauck. Der Landwirt und Gärtnermeister leitet die Gemüsegärtnerei seit 2008. Mancher Berufskollege mag stutzen – wo die Mindestlöhne und sonstigen Kosten beharrlich steigen und die Bereitschaft der Verbraucher zu wünschen übrig lässt, die Mehrkosten in Form höherer Preise auch mitzutragen: Wie kann man da noch Rücksicht auf Menschen mit Behinderungen und deren Befindlichkeiten nehmen? Die Geschichte der Camphill-Gärtnerei zeigt: Für den Gemüsebau liegt hier eine interessante Nische – menschlich und finanziell.

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