Von wegen dumme Kuh

Foto: Antonio J. Osuna-Mascaró

Eine Braunvieh-Kuh aus Kärnten kratzt an unseren Vorstellungen von Tierintelligenz: Forscher des Messerli Forschungsinstituts der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) beobachteten eine österreichische Kuh, die einen Besen als multifunktionales Werkzeug benutzte – eine seltene Form der Werkzeugnutzung, die zuvor nur bei Schimpansen bestätigt worden war. Laut einer Pressemitteilung der Vetmeduni lebt die 13-jährige Braunvieh-Kuh Veronika in Nötsch, einem Ort in den Kärntner Bergen und gehört der Familie von Wittkar Wiegele. Die Kuh wird nicht zur Milch- oder Fleischproduktion, sondern als Haustier gehalten. Bereits vor etwa zehn Jahren beobachtete Wittkar Wiegele, dass Veronika gezielt heruntergefallene Äste aufhob, um sich an schwer erreichbaren Stellen zu kratzen. Der wissenschaftliche Impuls kam, als ein Freund der Familie ein Handyvideo dieses Verhaltens an Kogni­tionsforscherin Alice Auersperg schickte. Zusammen mit ihrem Kollegen Antonio Osuna-Mascaró besuchte Auersperg Veronika in Kärnten. Die Forscher entwickelten ein Experiment, um zu testen, ob Veronikas Kratzverhalten die Kriterien für flexible Werkzeugnutzung erfüllt. Dazu gehört, ein Objekt zur Verlängerung des eigenen Körpers einzusetzen und dabei mechanische Kraft auf ein Ziel auszuüben. In einer Reihe von Durchgängen wurde Veronika mit einem Schrubber konfrontiert, der waagrecht auf dem Boden lag. Die Ausrichtung der Borsten – nach links oder rechts – wurde bei jeder Darbietung zufällig verändert. Jedes Mal wurden sowohl ihre Wahl des Werkzeugendes, also der Borsten- oder Stielseite, als auch die jeweils bearbeitete Körperregion dokumentiert. Die Ergebnisse, kürzlich in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht, waren bemerkenswert: Veronika bevorzugte eindeutig das borstige Ende, wenn sie feste, breite Körperregionen wie ihren Rücken kratzte. Wollte sie jedoch weichere, nachgiebigere Bereiche ihres Unterkörpers erreichen, etwa Euter oder Bauchhaut, wechselte sie zur Stielseite.

 

AgE