Die Schweinehaltung macht derzeit alles andere als Spaß. Schuld daran ist nicht nur die miserable Preissituation für Schweinefleisch, sondern auch das Vorgehen des Handels.
Zugegeben: Die Schweinehalter kennen das Auf und Ab beim Schweinepreis. Für sie ist es nichts Neues. Und eigentlich können sie damit umgehen. Aber einen Preisverfall über einen so langen Zeitraum wie bisher hat es selten gegeben. Seit eineinhalb Jahren sind die Schweinepreise für die Erzeuger nicht mehr kostendeckend und liegen derzeit bei ruinösen 1,30 € je kg/Schlachtgewicht. Das ist ein Preisniveau, mit dem die Schweinehalter nicht zu Recht kommen können. Im Gegenteil: Sie zahlen damit drauf. Verschärft wird die dramatische Situation bei den Erzeugern noch durch die hohen Futterkosten. Während sich die Ackerbauern über hohe Getreidepreise freuen können, haben die Veredlungsbetriebe das Nachsehen. Sie müssen für Futtergetreide tiefer in die Taschen greifen. Dass in der Situation viele Schweinemäster ihre Ställe gar nicht mehr vollmachen wollen und der eine oder andere Sauenhalter ans Aufhören denkt, ist nachvollziehbar. Leider.
Die Gründe für die katastrophale Entwicklung der Schlachtschweinepreise sind vielfältig: Corona und seine Folgen spiegeln sich immer noch auf dem Markt wider. Die Großveranstaltungen fallen weg und auch die Gastronomie läuft nur langsam wieder an. Dadurch fehlt der Absatzmarkt für Schweinefleisch. Und aufgrund der Afrikanischen Schweinepest sind asiatische Märkte dicht. Zudem werfen Länder wie Spanien, Frankreich und Dänemark jetzt ihr Schweinefleisch verstärkt auf den deutschen Markt. Unsere Schweinehalter haben dadurch das Nachsehen.
Schwer zu schaffen macht den deutschen Schweinehaltern aber auch der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Statt als sogenannter Marktpartner gemeinsam mit der Fleischbranche und den Landwirten Konzepte zu erarbeiten, stellt er eigene Forderungen auf. Vor wenigen Wochen erst ist Aldi vorgeprescht und hat angekündigt, bis 2030 bei Frischfleisch auf die Haltungsformen 3 und 4 umzusteigen – innerhalb von nur neun Jahren. Damit wurde die gesamte Fleischbranche massiv unter Druck gesetzt. Denn im Moment können die Landwirte solche Tierwohlställe gar nicht bauen, da die rechtlichen Grundlagen dafür nicht existieren. Und bezahlen will Aldi auch nicht für mehr Tierwohl. Der Discounter strebt eigenen Angaben zufolge weiter die Preisführerschaft an.
Und die Krone setzt der LEH in der derzeitigen Situation noch mit seinen immer wieder ausländischen Billigangeboten auf. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland (ISN) wirft dem LEH hier Doppelmoral vor. Auf der einen Seite preise der LEH die Unterstützung der heimischen Fleischproduktion in Werbeprospekten an, andererseits werde ausländische Ware im Großhandel zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft. Gutes Beispiel hierfür ist Edeka. Der Konzern hat bei seinen Kunden kürzlich Schweinefilets aus Chile angepriesen. Und erst auf massivem Druck aus der Landwirtschaft hat Edeka sich entschieden, die Artikel nicht mehr zu bewerben. Die deutschen Schweinehalter stehen derzeit mit dem Rücken zur Wand. Billigangebote beim Schweinefleisch aus anderen Ländern gehen daher gar nicht. Solche Angebote verschärfen nur noch die derzeit ohnehin schwierige Lage der deutschen Schweineerzeuger. Daran sollte der LEH denken. So geht man nicht mit Marktpartnern um.
Aber es geht auch Gott sei Dank anders. Die Rewe-Group will künftig nur noch heimisches Schweinefleisch verkaufen. Das hat sie am Montag dieser Woche verkündet. Rund 95 % des konventionellen Schweinefrischfleisch-Sortiments sollen auf deutsche Herkunft umgestellt werden. Die Rewe- Group will beim konventionellen Schweinefrischfleisch ab Sommer 2022 auf 5 x D setzen, das bedeutet Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Zerlegung beziehungsweise Verarbeitung in Deutschland. Der Kölner Handelskonzern setzt damit ein wichtiges Signal, das jeden deutschen Sauenhalter freuen dürfte. Ein klares Signal für heimisches Schweinefleisch. Viel dürfte es den Schweinehaltern zudem helfen, wenn auch bei Fleisch- und Wurstwaren mehr Fleisch aus deutscher Erzeugung eingesetzt werden würde. Aber dafür müsste sich der Handel davon verabschieden, die Hersteller im Preis zu drücken.
Wichtig ist, dass jetzt auch die Mitbewerber der Ankündigung von Rewe folgen und sich ebenfalls zu 5 x D bekennen. Wenn von Seiten des Handels immer wieder das Hohelied auf die deutsche Produktion gesungen wird, dann muss er auch entsprechend agieren und zum deutschen Schweinefleisch stehen. Und er muss dann auch die hohen heimschen Standards entsprechend bezahlen, und zwar umgehend.