Voneinander lernen

Katrin John

Der Beruf der Landwirtin und des Landwirts ist kein leichter und Demonstrationen wie die der letzten Woche in Bonn zeigen, dass es zu Recht viel Unzufriedenheit im Berufsstand gibt. Doch gerade dann, wenn das Negative zu überwiegen scheint, lohnt es sich, die Perspektive zu wechseln.

Sie haben es bestimmt schon häufiger gesehen: strahlende Kinderaugen, wenn Sie mit Ihrem Traktor vorbeifahren. Oder das Lächeln im Gesicht eines Kindes, wenn es eine Kuh, ein Pferd, ein Schwein, ein Huhn oder den Hofhund streicheln oder füttern darf. Für Landwirtinnen und Landwirte sind diese Dinge alltäglich und nichts Besonderes. Doch Kinder sind von den Dingen, die sie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb erleben, oft so positiv beeindruckt, dass sie das Erlebte im Spiel nachahmen wollen. Nicht selten ist der Geschenkwunsch zum Kindergeburtstag dann ein Spielzeugtraktor oder ein Stall für Kühe, Pferde oder Schweine im Miniaturformat. Das Angebot an Bauernhofspielzeug ist groß und mal mehr, mal weniger nah an der Realität auf einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Aber lassen wir diese häufig geäußerte Kritik der mangelnden Realitätstreue jetzt mal außen vor und fokussieren uns da­­rauf, dass Stallgebäude und landwirtschaftliche Maschinen in allen möglichen Ausführungen als Kinderspielzeug angeboten werden. Eine hohe Nachfrage sorgt in der Regel für ein entsprechendes Angebot. Offenbar gibt es also eine Vielzahl von Kindern, die gerne Bauernhof spielen. Wenn diese Kinder das Glück haben, zum Beispiel durch die Bauernhofpädagogik landwirtschaftliche Praxis selbst auf einem Betrieb zu erleben, werden ihre Erlebnisse oft spielerisch nachgestellt. Da wird dann zum Beispiel der gemähte Rasen aus dem Garten mit Spielzeugtraktor und Ladewagen oder Anhänger zu einem Silohaufen zusammengefahren. Oder das Miniaturgüllefass wird mit Wasser befüllt, um die Terrasse zu düngen. Beobachtet man solche Szenen, macht das deutlich: Die Kinder haben auf dem Betrieb gelernt, welche Arbeiten zur Landwirtschaft gehören. Doch umgekehrt können auch wir uns etwas von diesen Kindern abschauen, nämlich die Begeisterung für den Job der Landwirtin oder des Landwirts. Für viele Kinder ist es ein absolutes Highlight, auf einem Traktor mitzufahren oder auch nur zuzuschauen, wie große Maschinen die Ernte einfahren. Dann heißt es häufig: „Wenn ich groß bin, möchte ich auch Bauer werden.“ Diese kindliche Begeisterung für den Beruf des Landwirts kommt wohl auch daher, dass die Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt und man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat.

Es ist auch ganz ohne Zweifel ein harter Job. Landwirtinnen und Landwirte haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Daher kreisen ihre Gedanken oft um steigende Kosten für Betriebsmittel, geringe Erzeugerpreise für ihre Produkte und verschärfte Auflagen, wie zum Beispiel durch die Düngeverordnung. Oder weitere drohende Erschwernisse der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, wie der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission, der zu einer massiven Einschränkung für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führen könnte. Ganz zu schweigen von hoher Arbeitsbelastung und wenig Freizeit.

Trotz allem gibt es Menschen, die all diese Schwierigkeiten auf sich nehmen und weiter Landwirtschaft betreiben. Auch wenn sie sich dabei manchmal fragen, was der Grund dafür ist. Ein Blick in die strahlenden Augen der Kinder am Feldrand ist eine Antwort auf diese Frage. Aus Begeisterung für Maschinen, Tiere und die Arbeit mit und in der Natur entschließen sich Menschen, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Aus diesen Motiven haben zu Anfang dieses Monats viele junge Menschen ihre Ausbildung zur Landwirtin oder zum Landwirt begonnen. Darauf sollten sich die alten Hasen hin und wieder zurückbesinnen, wenn der Stress des Alltags auf einem landwirtschaftlichen Betrieb sie vergessen lässt, warum sie sich für diesen Beruf entschieden haben. Nämlich aus Leidenschaft für die Landwirtschaft und für die Produktion von Lebensmitteln. Nehmen Sie sich ab und zu einen Moment Zeit und schauen Sie mit der Begeisterung eines Kindes auf Ihren Beruf, der trotz allem immer noch der schönste und wichtigste ist, den es gibt!