Vor Tierseuchen ist man nie ganz gefeit. Sie können jederzeit ausbrechen. Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Brandenburg in diesem Jahr beweist es. Auch wenn Deutschland nun offiziell wieder den Status „MKS-frei ohne Impfung“ erhalten hat, ist weiterhin höchste Vorsicht geboten. Und das gilt auch für andere Tierseuchen.
„MKS ist zurück in Deutschland.“ Diese Meldung hat Anfang dieses Jahres die Rinder-, Schaf- und Schweinehalter aufschrecken lassen. Erstmals seit 1988 trat in Deutschland wieder diese hochansteckende Viruserkrankung, die Klauentiere befällt, auf. Am 10. Januar wurde in einem Bestand mit Wasserbüffeln in Brandenburg der Ausbruch dieser Seuche festgestellt. Nach Bestätigung des MKS-Ausbruchs kam es dann erwartungsgemäß zu Reaktionen aus Abnehmerländern außerhalb der EU, die Importbeschränkungen verhängten – unter anderem von Großbritannien und Südkorea für Schweinefleisch. Und weitere Maßnahmen folgten. Die Agrarbranche in Deutschland hat die Bestätigung des MKS-Falls jedenfalls zu spüren bekommen. Rückblickend muss man aber sagen: Deutschland hat Glück gehabt, denn weitere MKS-Fälle gab es nicht. Der befürchtete Flächenbrand ist ausgeblieben.
In der vergangenen Woche gab es dann auch eine gute Nachricht: Am 14. April hat die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) ganz Deutschland wieder den Status „MKS-frei ohne Impfung“ erteilt. Jetzt dürften sich die Handelsbeziehungen wieder normalisieren. Aber auch vorher war es für Deutschland durch die sogenannte Regionalisierung möglich, innerhalb der EU Waren zu exportieren. Übrigens: Dies ist ein gutes Beispiel dafür, welche Vorteile die EU für die Agrarbranche hat.
Und wie geht es jetzt weiter? Gibt es nach Erhalt des MKS-Freiheitsstatus Entwarnung? Nein. Denn die Sorge, dass die MKS wiederkommt, ist groß. Seit Anfang März wurden in Ungarn und in der Slowakei mehrere Fälle von MKS in Rinderbetrieben bestätigt, einige befanden sich in direkter Nähe zur österreichischen Grenze. Die Gefahr, dass die Seuche auf Österreich und anschließend auch auf Deutschland überschwappt, ist daher groß. Vor allen Dingen deshalb, da derzeit davon ausgegangen wird, dass die Wasserbüffel in Brandenburg auf irgendeine Art und Weise mit kontaminierten Produkten in Berührung gekommen sind und dadurch die Seuche ausgebrochen ist. Die Gefahr der Wiedereinschleppung der Seuche ist durch die aufgetretenen Fälle in Ungarn und der Slowakei gestiegen. Insbesondere durch Reiseverkehr, Lebensmittel- und Tiertransporte kann es bei Nachlässigkeit zu einem erneuten Ausbruch kommen.
Das NRW-Landwirtschaftsministerium hat daher kurz vor den Osterferien an Reisende aus der Türkei, Ungarn, Slowakei und benachbarten Ländern appelliert, vorsichtig zu sein. Unter anderem sollten keine Rohmilchprodukte und auch keine Produkte, die nicht vollständig durcherhitztes Fleisch enthalten, aus MKS-betroffenen Regionen mitgebracht werden. Darüber hinaus sollte natürlich auch der Kontakt zu Klauentieren in betroffenen Regionen vermieden und keine landwirtschaftlichen Betriebe besucht werden.
Was für MKS gilt, gilt auch für die Afrikanische Schweinepest (ASP). Auch diese gefährliche Tierseuche kann durch kontaminierte Lebensmittel, Kleidung, Ausrüstung und Fahrzeuge verbreitet werden. Eine große Gefahr geht hier unter anderem von Saisonarbeitskräften aus, die zur Spargel- oder Erdbeerernte nach Deutschland einreisen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat zusammen mit anderen Verbänden daher ein neues Informationsblatt in acht Sprachen herausgegeben und weist dabei auf die mögliche Gefahr der Einschleppung von Tierseuchen hin. Das Infoblatt soll das Bewusstsein für das Risiko der Verbreitung von MKS und ASP schärfen und appelliert an die Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen und präventiven Maßnahmen. Und ganz konkret für die Rinderhalter in NRW besteht ein nicht zu unterschätzendes Einschleppungsrisiko für BHV1, wie die Situation im Kreis Borken zeigt.
In Sachen Seuchenvorsorge sind natürlich in allererster Linie die tierhaltenden Betriebe selbst gefordert. Auch wenn der eine oder andere Tierhalter es nicht mehr hören mag: Seuchenabwehr ist und bleibt ein Dauerthema. An diesem Thema kommt man nicht vorbei. Vorbeugende Maßnahmen gegen einen eventuellen Seuchenausbruch im Betrieb müssen großgeschrieben werden. Das aktuelle Seuchengeschehen verdeutlicht wieder einmal die Wichtigkeit von Biosicherheitsmaßnahmen – nur so besteht die Chance, den Eintrag sowie die Verbreitung von Tierseuchen zu verhindern. Hier sollte man nicht nachlassen.