Konsequenzen aus den Ergebnissen der Europawahl fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied. Im Interview mit dem Pressedienst Agra-Europe mahnte er eine Neujustierung der europäischen und nationalen Agrarpolitik an: „Wettbewerbsfähigkeit, Zukunftsfähigkeit und Versorgungssicherheit müssen wieder im Vordergrund stehen.“ In der Agrarumweltpolitik müssten Anreizsysteme und Honorierung Vorrang
bekommen gegenüber Ordnungsrecht und Verboten. Von der Ampelkoalition erwartet der DBV-Präsident, dass sie die Gewinnglättung bei der Einkommensteuer auf den Weg bringt und substanzielle Schritte zum Bürokratieabbau unternimmt. Er warnt vor falschen Weichenstellungen bei der Novelle des Tierschutzgesetzes und in der Pflanzenschutzpolitik. Neuerliche Bauernproteste schließt Rukwied nicht aus: „Wir sind jederzeit in der Lage, einen bundesweiten, wirksamen und sichtbaren Aktionstag auf den Weg zu bringen.“
Den Austausch mit den Umweltverbänden will Rukwied fortsetzen: „Ich halte nichts davon, wieder in die Gräben zurückzugehen.“ Der 62-Jährige räumt ein, dass es aus persönlicher Sicht möglicherweise richtig gewesen wäre, nicht für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Bei der Entscheidung für die erneute Kandidatur hätten jedoch persönliche Motive nicht im Vordergrund gestanden: „Es geht mir um die Sache.“ Seine künftige Nachfolge will der Präsident „in der Bauernverbandsfamilie“ besprechen: „Entscheidend ist, was die Hofnachfolger, ob männlich der weiblich, wollen.“
Der DBV-Präsident bekennt sich zu den Vorschlägen der Borchert-Kommission und sichert trotz schwieriger Diskussionen eine weitere Mitarbeit in der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) zu: „Wir bleiben drin.“