Die rheinischen Zuckerrüben haben die zurückliegenden kalten Nächte meist ohne Frostschäden überstanden. „Im Unterschied zu vielen Berufskollegen im Südwesten Deutschlands und vor allem in Frankreich haben wir etwas Glück gehabt“, berichtete am Dienstag vergangener Woche der Vorsitzende des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RRV), Bernhard Conzen. Zum einen seien die Fröste im Rheinland nicht so stark wie andernorts gewesen; zum anderen seien viele Rübenbestände noch nicht aufgelaufen. Nach einer deutlichen Verkleinerung der Anbaufläche im vergangenen Jahr zeichnet sich 2021 laut Conzen wieder eine gewisse Erholung ab. Bessere Rübenpreise und die Möglichkeit zur Bekämpfung der Virösen Rübenvergilbung über die Notfallzulassung der neonikotinoiden Rübenbeize spielten hierfür eine wesentliche Rolle. Mit Blick auf die Rübenbezahlung sieht der RRV-Vorsitzende aber noch Luft nach oben: „Die Richtung stimmt, aber um den Rübenanbau auskömmlich zu gestalten und die Anbaufläche nachhaltig abzusichern, ist eine weitere Preiserholung notwendig.“ Von großer Bedeutung sei die Notfallzulassung für die neonikotinoide Rübenbeize Cruiser 600 FS, denn rund 90 % der rheinischen Rübenfelder hätten im vergangenen Herbst Schäden durch die Viröse Rübenvergilbung aufgewiesen, zum Teil mit hohen Befallsgraden. „Solange wir keine leistungsstarken virusresistenten Sorten haben, brauchen wir diese Beize“, betonte Conzen.
Doch die nächste Gefahr ist bereits im Anmarsch: Der Zuckerrübenanbau im Südwesten Deutschlands wird seit drei Jahren immer stärker von einer durch Zikaden übertragenen neuen bakteriellen Erkrankung bedroht. Die neue Krankheit „Syndrome Basses Richesses“ (SBR) wird von der ursprünglich im mediterranen Raum beheimateten Schilf-Glasflügelzikade übertragen. Der Klimawandel habe deren Wanderung und Vermehrung nach Norden möglich gemacht. Hierzulande habe sie sich offensichtlich genetisch auf Zuckerrüben fixiert, berichtet der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer.