Im Rahmen der Grünen Woche in Berlin ging es auch um die NRW-Nutztierstrategie. In fünf Themenblöcken befassten sich die Fachleute mit dem vom Land geplanten Stall der Zukunft, der Tierwohlkennzeichnung, der Tiergesundheitsdatenbank, den Zielkonflikten zwischen Tierwohl und Umweltfragen sowie den Kosten.
„Die Frage nach der zukünftigen Tierhaltung ist nicht leicht zu beantworten, denn sie hat Auswirkungen nicht nur auf Umwelt- und Tierschutz, sondern auch auf Ökonomie und Soziales“ sagte Ministerin Ursula Heinen-Esser zum Auftakt. Obwohl die Nutztierstrategie jetzt schon seit mehr als zwei Jahren in ihrem Hause entwickelt worden sei und sich zunächst auf Schweine konzentriere, wäre das nun veröffentlichte Papier „kein Schlusspunkt“, beteuerte sie, die Ideen würden weiterentwickelt und Geflügel und Rind würden folgen. Für die Ministerin sei zudem klar, dass man das in NRW extrem vernetzte Wirtschaftssystem, das in Europa einmalig sei, nicht auf’s Spiel setzen wolle. Das Land NRW gebe deshalb 2 Mio. € für die geplanten Stallbauten auf Haus Düsse, die sich an den bisher diskutierten Kriterien für das staatliche Tierwohllabel der Stufen 2 und 3 orientieren werden. Die Ställe sollen nicht nur mehr Platz, Beschäftigung und Außenklima bieten, sondern auch weniger Emissionen verursachen und natürlich für Besucher einsehbar sein. Sie sollen sowohl Richtschnur für bauwillige Landwirtschaftsbetriebe als auch eine Entscheidungshilfe für Genehmigungsbehörden sein.
Vonseiten der Landwirtschaft wurde dann auch gelobt, dass NRW als erstes und bisher einziges Bundesland einen konkreten Vorstoß für diese Zukunftsgedanken mache. „Das Tierwohlkennzeichen ist zentraler Baustein eines schlüssigen Gesamtkonzeptes, wir brauchen aber auch ein durchdachtes Finanzkonzept!“ forderte Dr. Thorsten Staak. Auf die Frage aus dem Publikum, warum es an der Bereitschaft zur Herkunftskennzeichnung für deutsches Schwein fehle, entgegnete er mit Zustimmung: „Wer Transparenz fordert, muss auch dafür sorgen, dass ich weiß, woher das Fleisch kommt, das ich auf dem Teller liegen habe!“
Die Leiterin der Abteilung Umwelt Dr. Fiebig verwies in ihrem Vortrag auf verschiedene Initiativen des Landes NRW auf Bund-Länder-Ebene, die darauf abzielten, die Hürden im Baurecht zu senken, damit tiergerechtere Ställe auch genehmigt werden könnten. Zum guten Schluss ging es natürlich auch um die Finanzierung. Diese sei noch nicht geklärt, räumte der Abteilungsleiter Landwirtschaft im MULNV, Dr. Dietzel, nach Vorstellung der verschiedenen Fördertöpfe ein und ergänzte:„ Ich will unsere Fördermittel nicht kleinreden, aber sie reichen bei Weitem nicht aus, für das was wir vorhaben.“ Brigitte Wenzel