Wandern hinterm Kuhstall

Foto: Petra Jacob

Wer sich im Dreiländereck von Kosovo, Montenegro und Albanien einer Wandertour anschließt, trägt dazu bei, dass Menschen nicht abwandern und unterstützt die Landwirtschaft.

Es ist eine Region, die bis vor nicht allzu langer Zeit vom Krieg gezeichnet war. Um den Menschen in dieser Gegend eine Lebensgrundlage zu schaffen und ihnen Alternativen zur Abwanderung zu bieten, begann 2010 die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit einem Wandertourismusprojekt. In den Bergen des Dreiländerecks von Kosovo, Montenegro und Albanien wurden Wanderrouten markiert, Kartenmaterial erstellt, mithilfe des Deutschen Alpenvereins Wanderführer ausgebildet, mit Grenzbehörden über vereinfachte Grenzübertritte verhandelt sowie Bergbauern unterstützt und ermutigt, Gästehäuser zu eröffnen. Mit dem Ziel, diese schöne Bergregion für den internationalen Wandertourismus zu rüsten.

Seit 2011 besteht eine über 190 km lange zusammenhängende Wanderstrecke; sie überschreitet Grenzen, verbindet, was einst verfeindet war. Viele der Pfade gab es schon vorher: Es waren die Wege der Hirten und Schafe, der Grenzgänger und Schmuggler und der Bergbauern. Einer der Einstiegspunkte für die klassische 10-Tages-Tour „Peaks of the Balkans“ – Gipfel des Balkans – befindet sich hinter dem Kuhstall von Bauer Mustafa Nikçi im Bergdorf Rekë e Allagës im westlichen Kosovo. Die einfachen Häuser liegen über den Hang verstreut. Die meisten Bewohner sind nur zwischen Mai und September hier, dann bringen sie auch ihre Kühe, Schafe und Hühner mit. Das Dorf hatte einmal 110 Häuser und wurde im Jugoslawienkrieg völlig zerstört, inzwischen leben hier wieder rund 30 Familien. Doch viele der Häuser blieben Ruinen, die Menschen sind nicht mehr zurückgekehrt, leben inzwischen in der Stadt oder im Ausland.

Mustafa Nikçi hat das niedergebrannte Haus seiner Familie nach dem Krieg wieder aufgebaut, dazu noch ein Gästehaus, das er an Wanderer vermietet. Er ist einer der Landwirte, die von der GIZ unterstützt wurden. Die Kulisse erinnert an die Schweizer Alpen. Wie es dort aussieht, weiß Mustafa Nikçi. Der 59-Jährige hat in den 1990er-Jahren einige Zeit in der Schweiz in der Forstwirtschaft gearbeitet.

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