„Warum ist da Krieg?“ – Wie man auf Kinderfragen antworten kann

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Kinder haben viele Fragen zum aktuellen Krieg Putins gegen die Ukraine. Warum ist da Krieg? Kommt der Krieg auch zu uns? Warum bomben die alle Häuser kaputt? Sind die Leute da wirklich ganz tot? Kindliche Neugier, aber besonders Verunsicherung und Ängste sind aktuell bei unserem Nachwuchs weitverbreitet und machen Eltern Sorgen.

Als ich Kind war, herrschte Kalter Krieg zwischen Ost und West. Fast täglich drehten sich die Nachrichten um Mauerbau, Kubakrise oder Vietnam-Krieg. Die Angst um den nach dem Zweiten Weltkrieg noch jungen Frieden und vor der Atombombe beherrschte den Alltag. Bilder vom Krieg sahen wir Kleinen allerdings kaum. Heute jedoch gibt es sie überall: in Zeitungen, Zeitschriften oder auf Bildschirmen von Handys, PCs und TV-Geräten. Daher entdecken Kinderaugen derzeit Tag für Tag Fotos von

Zerstörung, menschlichem Leid und manchmal sogar Tod. Der Kontrast zum eigenen Alltag, zu Familienleben, Schule oder Kita, zu Spielplatztreiben, Musikschule oder Fußballverein ist maximal – er könnte größer nicht sein. Es sind Bilder von einem Geschehen, das unsere Kinder glücklicherweise nicht aus der eigenen Anschauung kennen. Aber gerade darum und weil es solch „unglaubliche“ Bilder sind, verstört es sie und macht ihnen Angst.

Diese Angst müssen wir Erwachsenen ernst nehmen und dürfen sie nicht bagatellisieren. „Ach, da musst du keine Angst haben, das ist alles ganz weit weg“ – eine solche Erklärung beruhigt Kinder nicht, denn die Bilder sind ja da, sie sind Alltag, lösen zumindest Fragen und oft genug eben auch Ängste aus. Hand aufs Herz: Haben nicht viele von uns Erwachsenen gleichfalls Furcht davor, dass die russische Aggression zu uns ins mittlere und westliche Europa herüberschwappen könnte? Also würden auch wir uns durch simple Beruhigungssprüche nicht sicher fühlen.

Wie gut, dass es heutzutage Medien gibt, die uns in einer solchen Situation helfen können.

Bei KiKA und auf www.kika.de gibt es jede Menge ganz aktueller Informationen zum Ukraine-Krieg. Auf der Website für Erwachsene finden Eltern unter anderem zehn Tipps für Gespräche mit Kindern. Ein kurzes Video mit fünf Ideen für die Kleinen können Eltern sich gemeinsam mit ihnen anschauen und besprechen. Vielleicht ergibt sich daraus der Wunsch, auf eine Friedensdemo zu gehen oder eine Ukraine-Fahne zu malen und ins Fenster zu hängen. Ideen für Spendenaktionen greifen Kinder ebenfalls gerne auf. Sie wollen aktiv sein und etwas Hilfreiches tun, um sich nicht ohnmächtig fühlen zu müssen.

Auch die Maus des WDR bietet auf www.wdrmaus.de eine Menge kindgerechter Informationen zum Krieg in der Ukraine an, beispielsweise Antworten auf Kinderfragen dazu sowie den Hinweis auf die „Nummer gegen Kummer“, also das bekannte Kindersorgentelefon. Unter der Rufnummer 116 111 können unsere Kleinen dort kostenfrei Antworten, Rat und Trost bekommen. Der Service darf ohne Namensnennung genutzt werden.

Auf www.hanisauland.de, der Kinderseite der Bundeszentrale für politische Bildung, können kleine Internet-User online mit einfachen Mitteln ein Friedensplakat gestalten, das dort veröffentlicht wird. Etliche kann man sich bereits anschauen und wird sich der davon ausgehenden Rührung nicht entziehen können.

Kinder brauchen in solch schwierigen Zeiten wie aktuell eines dringender denn je: Beziehung. Ihre ersten Bezugspersonen sind Mama und Papa und gleich danach die Großeltern. Wir müssen uns Zeit nehmen für ihre Fragen, ob unser Dreijähriger sie stellt, das i-Dötzchen oder ein Teenager. Die wichtigste Regel für solche Gespräche heißt: immer erst zuhören, eventuell nachfragen und erst dann die eigene Meinung kundtun. Natürlich haben auch wir Erwachsenen nicht immer eine klare Antwort parat. Das macht jedoch nichts, denn dann kann man gemeinsam Vermutungen anstellen. Vor allem aber können wir Aktionen anstoßen. Nichts tut Kindern so gut wie aktiv zu sein, während andauernde Hilflosigkeit allzu leicht in Depressionen führt.

Wenn sie dann abends im Bett liegen und schlafen sollen, wäre vorab eine Gute-Nacht-Geschichte hilfreich, die ihre Gedanken beschäftigt und sie leichter vom Alltag in den Schlaf führt. Es gibt etliche Kinderbücher, die sich ebenfalls mit Krieg befassen, aber auf eine Weise, die sehr kindgerecht ist. „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren etwa gehört dazu, genauso wie „Die Konferenz der Tiere“ von Erich Kästner. Ein Bilderbuch für die Kleinen ab fünf Jahren ist „Wie ist es, wenn es Krieg gibt?“ von Louise Spilsbury. Schon mit Dreijährigen kann man „Grünechsen gegen Rotecken“ von Steve Antony anschauen und da­rüber staunen, wie sich die anfänglichen Feinde nach und nach miteinander arrangieren. Und für Kinder und Jugendliche, die selber lesen wollen, gibt es beispielsweise „Alles wird gut, immer“ von Kathleen Vereecken. Auf www.buchhandel.de findet man unter den Suchbegriffen „Bilderbücher Krieg“, „Kinderbücher Krieg“ sowie „Jugendbücher Krieg“ mehrere Hundert Titel, die aktuell im Buchhandel erhältlich sind. Mancher davon wird auch uns Erwachsenen in dieser Zeit guttun.

Diplom-Pädagoge Detlef Träbert

Unser Autor Detlef Träbert ist freiberuflich tätiger ­Diplom-Pädagoge. Unter dem Titel „Warum ist da Krieg? – Wie wir auf Kinderfragen antworten können“ bietet er Schulen, Kitas und Volkshochschulen einen Elternvortrag zum Thema dieses Beitrags an. Infos dazu unter www.schubs.info.