Neue Forschungsergebnisse stellen das bisherige Verständnis vom Humus grundlegend infrage. Die Vorstellung, dass es sich beim Humus um eine Anreicherung abbauresistenter Substanzen handele, weicht allmählich der Gewissheit, dass Humus einem kontinuierlichen Abbau unterliegt. Dr. Konrad Egenolf, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, fasst den aktuellen Forschungsstand und die Bedeutung für den Ackerbau zusammen.
Die Diskussion zum Thema Humus wird seit einiger Zeit stark von der hypothetischen Möglichkeit des Humusaufbaus als effektiver Klimaschutzmaßnahme dominiert. Der Gedanke ist durchaus naheliegend: Die Böden der Welt speichern im Humus etwa zwei- bis dreimal so viel Kohlenstoff wie die gesamte Atmosphäre in Form von CO2 enthält. Bereits durch kleine Steigerungen der Humusgehalte könnten der Atmosphäre folglich klimarelevante Mengen CO2 entzogen werden. In ihrer praktischen Umsetzung erweist sich diese bestechende Idee jedoch als deutlich komplexer, zum einen, weil die durch den Klimawandel bedingten Bodentemperaturen den Humusabbau beschleunigen. Zum anderen, weil viele der Humusbildung zugrunde liegenden Prozesse noch nicht vollständig verstanden sind. Die Steigerung, zumindest aber der Erhalt der Bodenhumusgehalte, auch jenseits der Klimadebatte im ureigensten Interesse der Landwirtinnen und Landwirte, denn der Humusgehalt bestimmt maßgeblich und auf vielschichtige Weise die Fruchtbarkeit eines Standorts.
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