Was es mit dem Zauberbrunnen auf sich hat

Foto: privat

Wer durch Nettetal-Sassenfeld spaziert oder radelt, kennt den offenen Kuhstall mit Außenfütterung auf dem Quinkertzhof. Hier vergeht kaum ein Tag, an dem Passanten – oft mit Kindern – nicht anhalten und sich die Tiere und das Treiben genauer anschauen. „Das war auch unser Ziel“, erklären Ralf und Ricarda Tobrock. „Wir wollen den Menschen zeigen, welche Arbeit hier geleistet wird.“ Für das Engagement der Familie in der Bauerhof-erlebnispädagogik wurde der Quinkertzhof nun als ein offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur für alle“ ausgezeichnet. Dieser Preis wird vorbildlichen Projekten verliehen, die mit ihren Aktivitäten auf die Chancen aufmerksam machen, die die Natur mit ihrer biologischen Vielfalt für den sozialen Zusammenhalt bietet. Neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhielt der Quinkertzhof einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die Naturvielfalt steht.

Zwischen 300 und 400 Kinder besuchen jedes Jahr den Quinkertzhof. Kindergartenkinder, Grundschüler, Schülerinnen und Schüler der Oberstufen und behinderte Menschen erfahren hier, wie ein Bauernhof funktioniert. Familie Tobrock führt den Quinkertzhof in dritter Generation. Neben der Erzeugung von Milch und dem Anbau von Mais und Zuckerrüben ist die Bauernhoferlebnispädagogik mittlerweile ein weiteres Standbein. Als studierte Sozialpädagogin bildete sich Ricarda Tobrock zur Bauernhoferlebnispädagogin weiter und erklärt den zumeist jungen Gästen nun, wie facettenreich der Alltag in einem landwirtschaftlichen Betrieb ist. Neben den 180 Kühen sorgen ein Kaltblut, Schafe, Ziegen, Ponys, Enten, Gänse und der Hofhund für Entzückung bei den Gästen. Generell gehe es darum, Menschen Zugang zu einem landwirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen und die biologische Vielfalt in den Vordergrund zu rücken. „Viele Stadtkinder wissen leider nicht, woher die Milch kommt oder welche Aufgaben es auf einem Bauernhof zu bewältigen gibt“,  meint Ricarda Tobrock. „Uns macht es großen Spaß, beispielsweise bei Kindergeburtstagen unseren Teil zu einem besseren Verständnis für den Beruf und die Aufgaben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb beizutragen. Dass dies im Einklang mit der Natur geschieht, macht die Sache dabei noch wertvoller.“

Eigentlich wollte die Familie den Preis der UN-Dekade mit einem Hoffest feiern. Da das in Corona-Zeiten nicht möglich war, haben sich die Tobrocks für die Adventszeit etwas Besonderes ausgedacht: im Zauberbrunnen, der direkt gegenüber dem offenen Kuhstall steht, können sich die Kinder eine Süßigkeit und Samentütchen abholen. Ricarda Tobrock: „Außerdem können dort ausliegende kurze Weihnachtsgeschichten vorgelesen oder den Kühen Lieder vorgesungen werden. Bisher hatten wir erfreulicherweise keine Plünderungen oder Vandalismus. Wir freuen uns sehr, dass dieses Angebot gut angenommen und wertgeschätzt wird.“