Das diesjährige Motto des Kölner Karnevals passt wohl so gut wie selten zum Berliner Politikschauspiel. Also Vorhang auf zum einzigartigen Jeckespill: „Wenn die Ampel ein Kreisverkehr ist!“ Denn etz kütt et rut, dann bleibst du stehen. Dann kütt et grön, du kannst gehen. Kütt et gelb, dann hast du dat Malheur, der janze Stuss – küt erus und du bist im Kreisverkehr.
Wat e Jeckespill! Nach all den Tagen auf der Straße haben die Berliner Ampelmännchen immer noch nicht verstanden, dass sie in der letzten Grönphase falsch abgebogen sind. Als Bur vum Land kommst du da nicht mehr mit und fragst dich: Ist das ein Zeichen von Arroganz oder doch pure Ignoranz? Am Ende bleibt für uns Bure nur die Hoffnung, dass diejenigen nicht recht haben, die zum heutigen Zustand der Gesellschaft derb meinen: „Die Dummheit hat aufgehört, sich zu schämen, und ist noch stolz darauf.“ Im ersten Akt zumindest ist festzustellen, der Cem hat’s erkannt. Die Kraftfahrzeugsteuerbefreiung wurde von ihm zurückerobert. Dumm war das nicht. Aber der zweite Streich folgt zugleich, jetzt soll die Realität verändert werden. Statt eine Politik zu betreiben, die sich am Kaufverhalten der Lück vum Land orientiert, soll de Wunschzeddel vun et gröne Renate erfüllt werden. Wir sagen es Dir im Guten: „Nä, nä, dat wollen wir nit mih, janz bestimmt nit mih und dafür haben wir nit demonstriert!“
Der zweite Akt folgt und der Christian tritt im Jeckespill in Erscheinung. Weltmännisch gekleidet, macht er deutlich, dass er gelegentlich auch schon mal Pferdeställe mistet. Frei nach dem Motto: Gummistiefel und Mistgabel machen aus dem ganzen Kerl ´ne Bur vum Land. Doch so richtig will die Verwandlung bei den wahren Buren nicht ankommen. Allein das Kostüm zu wechseln, reicht nicht aus. Die Politik muss besser werden. Leeve Christian, nur die Fragen in den Raum zu stellen „Wer soll das bezahlen? Wer hat das bestellt? Wer hat so viel Pinkepinke? Wer hat so viel Geld?“, ist wie kalter Kaffee. Denn die Antwort ist trivial und einfach: Ihr habt das bestellt! Wir sollen das bezahlen! Ihr habt nicht das Geld! Mit eurer CO₂-Steuer beispielsweise greift ihr den Bauern 2025 mit 300 Mio. € in die Tasche. Eine Lenkungswirkung hat die Umweltsteuer auf absehbare Zeit nicht, fehlen für die Traktoren doch die alternativen Antriebe. Statt über Subventionen bei der Agrardieselbesteuerung im Jeckespill zu fabulieren, leeve Christian, wäre es angezeigt, ein neues Politikkapitel aufzuschlagen: „Wer eine neue Steuer einführt, schafft zwei alte ab!“ Uns ist klar, der schlimmste gröne Stuss muss erus, aber nur Abwehr spielen reicht eben nicht aus. Gestalten ist die Aufgabe der Politik, dazu gehört die Einführung einer Risikoausgleichsrücklage als ökonomische Antwort auf die Herausforderung der Klimaanpassung in der Landwirtschaft. Am Ende des zweiten Aktes weiß Christian dann, wohin die Reise gehen soll. Jo, do maache wir mit. Et weed höchste Zick. Dat bruche wir hück. Jo, da sind wir gern mit dabei.
Vorhang auf und Bühne frei, jetzt geht´s, wir sind nicht mehr aufzuhalten. Wer nun denkt, das Jeckespill nimmt dynamisch an Fahrt auf, der kann ahnen, wer jetzt kommt – Olaf. Na ja, Olaf im Jeckespill? Das kann nicht funktionieren. Der Olaf spillt doch nicht. Bauernproteste? Wo? Warum? – So stellt sich wohl der Blick aus dem Kanzleramt auf die Republik dar. Also ist Olaf wohl eher der Zuschauer im Jeckespill als Regisseur. Oder begnügt er sich mit einer Nebenrolle? Man weiß es nicht. Das Problem an seiner Politik ist, dass die Roten hück mehr grön sind als rut. Durch diese Brille ist es schwer zu erkennen, was das Volk so bewegt. Die einzige Hoffnung ist zumindest das gilt: Etz kütt et rut und alles bleibt stehen! Denn am Ende ist in diesem Fall der Stillstand sogar das kleinere Übel als eine nationale Transformation, die wegen der Sehnsucht nach dem ständigen Umverteilen zu einer großen Belastung für die Bevölkerung und uns Bure wird. Scheinbar ist sein einziger Blick: Schön, dat wir noch zosamme sind. Mit all dä Bilder in mir drin.
Und wo bleiben wir Bure im Jeckespill? Mit unseren Protesten haben wir das Jeckespill für alle sichtbar gemacht. Die Bevölkerung hat es wohltuend begleitet und meint: Du bess der Bur, op die mer all he stonn. Du häs et uns mit dingem Trekker aanjedonn. Nur die Laienspieler im bisherigen Jeckespill haben so ihre Probleme damit, sich auf ein wirklich neues Drehbuch einzustellen. Noch immer liegen zu viele ideologische Hemmnisse im Weg. Ob die Schauspieler auch ausgewechselt werden müssen und das Spill allein dadurch besser wird, liegt im Auge des Betrachters. Wir Bure sind auf jeden Fall gewappnet. Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn wir all parat. Un wir fahre mit dem Trekker in die Stadt.
Leeve Bure, ist das Spill noch so jeck, wir machen das Beste daraus und der Kreisverkehr wird zur Ampel mit Ausfahrt ins Nirgendwo oder der Möglichkeit zum U-turn. Wer das erreichen will, braucht auch die Leichtigkeit der kommenden Tage. Drum mit Helau und Alaaf und ein lustiges Jeckespill.