Die Mehrheit der Agrarminister der EU-Mitgliedstaaten steht dem Verordnungsvorschlag zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) nach wie vor skeptisch gegenüber. Auch die nun von der EU-Kommission vorgelegte erweiterte Folgenabschätzung hat die kritische Auffassung vieler Ressortchefs dem Gesetzesvorhaben gegenüber nicht geändert. Wie auf dem Agrarrat in der Vorwoche deutlich wurde, räumen die Ergebnisse die Zweifel nicht aus. Spaniens Landwirtschaftsminister Luis Planas, derzeit Präsident des Agrarrats, will dennoch spätestens bis Jahresende eine Position der Mitgliedstaaten zur SUR aushandeln. Selbst wenn dies gelingen sollte, wäre es fraglich, ob noch eine Einigung bis zur nächsten Europawahl im Juni mit dem EU-Parlament und der Kommission erzielt wird.
Laut der federführenden Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides bestätige die neue Folgenabschätzung, dass für die meisten Produkte das Preisniveau weder auf eine nicht mehr erträgliche Höhe steigen würde, noch sei die Ernährungssicherheit gefährdet. Gegen die Mehrheitsmeinung im Rat erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, weitere Verzögerungen im Gesetzgebungsverfahren seien nicht zu rechtfertigen. Özdemir stellte aber auch klar, dass es bei der Verringerung der Einsatzmengen von Pflanzenschutzmitteln einheitlicher Regeln bedürfe. Der Anbau von Sonderkulturen und von Wein müsse möglich bleiben. Derweil beklagte Portugal die in der Folgenabschätzung aufgezeigten negativen Auswirkungen auf den Anbau vieler Sonderkulturen. Vor allem die Folgen für den Weinsektor wären für Lissabon wie auch für die anderen südlichen EU-Mitgliedsländer kaum hinzunehmen. Frankreichs Landwirtschaftsminister Marc Fesneau warnte ebenfalls vor einem Einbrechen der Weinproduktion in der EU. Tschechien warnte insbesondere vor negativen Auswirkungen auf den Hopfenanbau. Die finnische Delegation pochte auf Änderungen bei der Definition der sensiblen Gebiete. Dem Kommissionsentwurf zufolge würde ganz Finnland in diese Kategorie fallen.