Wenig Böller zu Spargelsilvester

Sabine Aldenhoff

Am Montag dieser Woche war Johannistag. Das biblische Fest der Geburt Johannesʼ des Täufers, dessen Termin am 24. Juni eng mit der Sommersonnenwende verknüpft ist, bedeutet für Spargelanbauer das Ende der Stechsaison. In der Branche spricht man auch von „Spargelsilvester“, aber gab es was zu feiern?

 

Warum ausgerechnet der 24. Juni? Einst hatte man errechnet, dass die Spargelpflanze 100 frostfreie Tage zur Regeneration braucht, und so ist das Datum nicht nur den Erzeugern, sondern auch vielen Spargelliebhabern bekannt. Und wer nicht mehr dran gedacht hatte, wurde in der Tagespresse noch mal drauf hingewiesen, dass sich die Saison dem Ende neigt und es Zeit wird, sich einen Vorrat in der Tiefkühltruhe anzulegen. Überhaupt konnten sich die Spargelanbauer über mangelndes Interesse der Presse nicht beklagen. Sie tun allerdings auch selbst einiges dafür: beispielsweise die Spargelsaisoneröffnung mit der Ministerin, die Vorpressekonferenz zum Umzug der Spargelprinzessin in Walbeck, der zweite Tag des Deutschen Spargels am 3. Mai sowie Hoffeste, über die die Medien informiert werden.

 

Und nicht zuletzt die Wetterkapriolen verschafften Landwirten und natürlich auch den Spargelanbauern journalistische Aufmerksamkeit. Darauf hätten sie allerdings zugunsten eines ruhigeren Witterungsverlaufs gerne verzichtet. Die Spargelsaison 2024 war nicht nur im Rheinland von Wetterextremen gekennzeichnet, zu denen auch die Älteren unter den Produzenten nur sagen konnten: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Schon die Vorbereitungen zur Saison gestalteten sich schwierig, da die Böden vielerorts zu nass aus dem Winter kamen. Das Folienaufziehen und das Aufdämmen waren zu den üblichen Terminen nicht möglich und verzögerten sich. Immer wieder Regenschauer ließen Wasser in den Dämmen stehen, sodass die an sich schon körperlich anstrengende Arbeit für die Erntehelfer noch beschwerlicher wurde. Häufige Witterungswechsel mit zwei, drei warmen Tagen, gefolgt von Nässe und Kühle, machten das Folienmanagement aufwendig, um die Mengen entsprechend der Nachfrage zu steuern und die Stangenqualitäten zu gewährleisten.

 

Dies alles führte zu erhöhtem Personalaufwand, und das bei gestiegenen Lohnkosten und ohnehin schwieriger Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften, die bei dem „Sauwetter“ auch noch bei Laune gehalten werden wollten. Gestiegene Kosten weiterzugeben dürfte den meisten Betrieben nicht gelungen sein, da sich auch die Nachfrage überwiegend verhalten zeigte. Das richtige „Spargelkaufwetter“ stellte sich diese Saison nur selten ein. Ostern war so früh, dass höchstens Erzeuger mit beheiztem Spargel oder Spargel aus dem Gewächshaus davon profitieren konnten. Zu Muttertag und Pfingsten zog die Nachfrage ein bisschen an. An den übrigen Maifeiertagen vermissten einige Direktvermarkter ihre Kunden. Und die Verbraucher hielten ihr Geld zusammen, kauften seltener bei „ihrem“ Spargelhof oder entschieden sich für 800 g statt für 1 kg. Dennoch gab es auch positive Stimmen aus der Direktvermarktung, vor allem die Hofgastronomie mit Spargel erfreut sich wohl weiterhin großer Beliebtheit.

 

Zum 24. Juni soll hier auch die zweite Kultur erwähnt werden, für die der Termin das Ernteende bedeutet: Rhabarber. Hier sind es die später steigenden Gehalte an Oxalsäure, die eine längere Erntezeit hinfällig machen. Das Kuriosum unter den Nutzpflanzen zählt auf dem Feld zu den Gemüsekulturen, in der Küche wird es allerdings dem Obst zugerechnet. Auch die Rhabarberproduzenten erlebten eine außergewöhnliche Saison. Im April stieß viel Ware auf eine verhaltene Nachfrage, die mit vielen Werbeaktionen angekurbelt werden musste. Die nass-kühle Witterung im Mai hemmte allerdings das Wachstum, sodass plötzlich nur noch ein knappes Angebot am Markt war. Dafür wurden Rekordpreise für diesen Saisonzeitpunkt von über 3 €/kg erzielt. Bereits Ende Mai waren einige Erzeuger sowie einige LEH-Ketten aus dem Rhabarber-angebot ausgestiegen.

 

Zurück zum Spargel: Insgesamt blieben die Erntemengen deutlich hinter den üblichen zurück, da einige Anlagen wegen der Nässe gar nicht oder nicht so lange beerntet werden konnten. Wie viel Schäden die Pflanzen durch die ständige Nässe erlitten haben, wird sich möglicherweise erst in der kommenden Saison zeigen. Die Bilanz für dieses Jahr lautet: he­­rausfordernd und anstrengend. Will Teeuwen, Direktor des niederländischen Spargelvermehrers Teboza, brachte es in einer Meldung von FreshPlaza auf den Punkt: „Früher war ein extremes Jahr die Ausnahme, heute ist es eine Ausnahme, wenn es reibungslos läuft.“ Und so werden zu Spargelsilvester vielleicht doch ein paar Tropfen Sekt oder Spargelschnaps geflossen sein: da­­rauf, dass diese Saison endlich vorbei ist, und mit der Hoffnung auf eine Ausnahme im kommenden Jahr.