Wertvolle Böden bewirtschaften und schützen

Katrin John

Das Rheinland ist reich an kulturellem Erbe, das zu großen Teilen noch unentdeckt in den Böden ruht. Das bedeutet allerdings nicht, dass überall Ausgrabungen geplant sind. Problematisch wird es jedoch, wenn auf landwirtschaftlichen Flächen illegal gegraben wird.

 

„Reiches Rheinland“ steht diese Woche auf dem Titel der LZ. Das bezieht sich auf unsere rheinischen Böden und das, was unter ihnen verborgen liegt. Denn das Rheinland hat ein sehr reichhaltiges kulturelles Erbe vorzuweisen, weshalb das dafür zuständige LVR-Amt für Bodendenkmalpflege das größte archäologische Fachamt in ganz Deutschland ist. Für die dort beschäftigten Archäologen gibt es viel zu tun, denn laut Studien wurden bisher nur 5 bis 8 % des archäologischen Kulturguts entdeckt. Es schlummern also noch sehr viele Relikte vergangener Zeiten unter der Erdoberfläche und damit auch unter landwirtschaftlichen Flächen. Da sollen sie im Idealfall auch bleiben, denn Bodendenkmäler sind am besten geschützt, wenn sie nicht angerührt werden. Landwirte müssen sich also keine Sorgen machen, dass ein Trupp Archäologen zur Ausgrabung anrückt, sobald bekannt ist, dass unter einer Fläche ein Bodendenkmal liegt oder auf dem Acker eine Keramikscherbe gefunden wird. Wäre das der Fall, müsste das ganze Rheinland auf links gedreht werden.

 

Wenn ein Landwirt beim Pflügen tatsächlich etwas entdeckt, das womöglich aus vergangenen Zeiten stammt, sollte er sich an die zuständige Außenstelle des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland wenden, damit diese den Fund in Augenschein nehmen kann. Mehr dazu im Interview ab S. 15. Vielleicht erfährt mancher auf diesem Wege, was früher auf seinem Grund und Boden passiert ist. Und das kann so einiges sein. Im Rheinland gibt es unter anderem zahlreiche Bodendenkmäler der Römer, die hier etwa 500 Jahre lang gesiedelt haben. Ein besonderes Highlight römischer Archäologie ist der archäologische Park in Xanten, aber auch die Stadt Bonn, die aus Legionslagern der Römer hervorgegangen ist. Im Kölner Umland, entlang des Niederrheins und in der Nordeifel beziehungsweise der südlichen Zülpicher Lössbörde liegen einige ehemalige Landgüter der Römer. Aber es gibt im Rheinland auch viele Denkmäler aus dem Mittelalter. Besonders bekannt sind die Töpfereibezirke um Siegburg und Frechen, von wo aus Töpferwaren europaweit ausgeliefert wurden.

 

Dass sich viele Bodendenkmäler in den landwirtschaftlich geprägten Gebieten befinden, ist übrigens kein Zufall. Das liegt an den guten rheinischen Lössböden, die schon sehr früh von den ersten Bauern besiedelt wurden, um dort sesshaft zu werden und Ackerbau zu betreiben. Unter Umständen kann die heutige Landwirtschaft den Überresten der damaligen Landwirtschaft leider gefährlich werden. Nämlich dann, wenn ein Bodendenkmal nahe der Erdoberfläche und auf einem Acker, der tiefgründig bearbeitet wird, liegt. Sollte das der Fall sein, wird der Landwirt das bei der Bodenbearbeitung bemerken. Um das kulturelle Erbe nicht zu beschädigen, sollte er Rücksprache mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege halten. Eventuell ist das Bodendenkmal bereits bekannt, sodass der Landwirt genauere Informationen über Lage und Größe des Denkmals erhalten kann. Ein Bewirtschaftungsverbot für die betreffende Fläche muss nicht gefürchtet werden und wenn man mitei­­nan­der im Gespräch bleibt, findet sich mit Sicherheit eine Lösung, die beides ermöglicht: Ackerbau und Bodendenkmalschutz.

 

Ein Problem, das sowohl Landwirte als auch archäologische Fachämter betrifft, sind illegale Sondengänger. Laut dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland gibt es immer mehr Menschen, die sich mit ihren Metalldetektoren auf Suche nach in der Erde verborgenen Relikten machen. Einige haben dafür jedoch nicht die notwendige Erlaubnis zur Nutzung von Mess- und Suchgeräten sowie zur Fundbergung. Zum Teil werden in Nacht- und Nebelaktionen Äcker umgegraben, um dort vermutete Schätze zu bergen (siehe S. 17). Das ist absolut nicht akzeptabel. Diese illegalen Schatzsucher gefährden mutwillig sowohl die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen als auch den Schutz von Bodendenkmälern.

 

Wohingegen immer mehr Landwirte auf konservierende Bodenbearbeitung setzen, um die Fruchtbarkeit ihrer Böden zu schützen. Laut der Agrarstrukturerhebung 2023 werden mittlerweile nur noch 40 % des Ackerlands gepflügt. Im Wirtschaftsjahr 2015/16 waren es noch 53 % (siehe S. 5). Diese Entwicklung kommt dem Erhalt der Kulturgüter in den Böden zugute. Dass Landwirtinnen und Landwirte als eher konservativ gelten, wird von manchen gesellschaftlichen Gruppen kritisch gesehen. Dabei haben sie mit ihrer Sichtweise einiges gemeinsam mit Archäologen: Sie wollen ihre Herkunft bewahren und dazu zählt auch der Schutz von Bodendenkmälern. Dafür nutzen sie moderne Verfahren, wie die konservierende Bodenbearbeitung. Konservativ und modern zugleich, das muss kein Widerspruch sein.