Wat bliev dann hück noch stonn? In einer Zeit, in der Meinungsumfragen wichtiger als Wahlen, Talkshows wichtiger als Parlamente und 150 Zeichen bei Twitter wichtiger als echtes Wissen sind. In einer Zeit, in der 80 Mio. Deutsche besser wissen, wie Felder zu bewirtschaften sind, aber die zum Glück die Arbeit scheuen, da ist doch eines klar: Ejaal, wat och passeet, mer Buure müssen zusammenhalten wie schon all die lange Johr.
Ob jung, ob alt, alle jagen dä janze Daach, durch das digitale Land. Sie haben immer stramm zo dunn, met dem Handy en dʼr Hand. Man muss ja wissen, was man wissen muss, drum fragt man auch den „Google“ an. Die Folgen liegen auf der Hand, alle halten sich für kompetent, nur weil sie den Zugang zum Internet beherrschen. Echtes Wissen wird zur Mangelware. So wird das Wissen generiert und sich ausgewogen, einseitig informiert. Der moderne Agrarwissenschaftler aus der Innenstadt ist so geboren und weiß dann zu sagen, was der Bauer auf dem Land falsch macht! Jetzt heißt es nur noch:
alles kommuniziere, pooste, folje, erömposaune, alles wird ins Netz gestellt. Jeder ist dä Held, wat ’ne schöne neue Welt. Und der Buure auf dem Land fragt sich: Wat bliev dann hück noch stonn – wie soll dat nur wigger jonn?
Klar ist doch, dass die Gesellschaft in dieser Form auseinanderfällt und die digitale Demenz Einzug hält. Da macht man am besten weiter wie schon all die lange Johr und erklärt mutig und ehrlich: Was der Bauer macht, ist gut gemacht. Denn op dem Markt da jit et fresche Eier, Kappes un Salat. Und das auch nicht ze dür, drum leeve Städter, komm zu mir. Mach doch einfach ’ne Besuch auf dem „Buurehoff“. Dann jeht loss: Handy erus, hochjehalde in die Luft, Fotos gemacht vom „Buurehoff“. Kommuniziere, pooste, folje, erömposaune, alles wird ins Netz gestellt, so kommt der Buur in die schöne neue Welt.
Ja ävver die Agrarpolitik – wie soll dat nur wigger jonn? Dat ist eine Sproch, den ich nicht verstonn. Digital verkürzt bei Twitter heißt das wohl: „Die zukünftige Landwirtschaft muss sich den gesellschaftlichen Herausforderungen für mehr Umwelt- und Tierschutz anpassen.“ Auf bestem Kölsch: Julia, du bist supertolerant, nimms jeden op der Ärm und an de Hand. Oder an einem Beispiel: Es ist Julias Versuch, mit Toleranz dem Verbraucher als Schnäppchenjäger zu erklären, dass er wegen mangelnder Bereitschaft einen höheren Preis für Tierwohl zu zahlen, eine Umlage akzeptieren muss, mit der die höheren Kosten für den Bauer ausgeglichen werden sollen. Faktisch ähnelt dieses System der EEG-Umlage, die in Deutschland dafür sorgt, dass bisher auch der regenerative Strom verkauft werden konnte und die Investoren über einen langen Zeitraum Planungssicherheit haben. Die Bühle und Schramme, die flicken wir zusammen, denn die bittere Realität ist, ein anderer Weg, um die verschiedenen Enden einer gesellschaftlichen Debatte um mehr Tierwohl und die jüngsten Gerichtsurteile zum Thema Tierschutz zu versöhnen, scheint nach Meinung der Wissenschaft nicht in Sicht. Es ist zumindest ein ehrlicher Versuch, die Debatte zu führen. Und man fragt sich: Wat bliev dann hück noch stonn? Et muss jo wigger jonn.
Der gesellschaftliche Wandel in unserem Land ist Realität und die Menschen messen den Themen Klima-, Natur- und Tierschutz einen höheren Stellenwert zu als sicherer Energieversorgung und Nahrungsmittelsicherheit. Darauf muss man sich einlassen, selbst wenn der Verstand sagt: „Wenn et dem Esel zu wohl wird, geht er op et Ies.“ Aber darin liegt die Chance und wir loss ens fünnef jerad sin. Dann weed et alles jood. So können wir mit unseren Lösungsideen die Landwirtschaft wieder in den gesellschaftlichen Mittelpunkt bringen. Dazu muss benannt werden, wie dies gelingen kann. Denn wir Buure können Klimaschutz! Schließlich ist Klimaschutz ein Produktivitätsmaßstab. Wenn nun dat Ursula in Brüssel einen Green Deal will, dann muss sie auch sicherstellen, dass an unseren Außengrenzen der CO2-Rucksack überprüft und für Wettbewerbsgleichheit gesorgt wird. Dann hät der Buur eine ehrliche Chance und bliev bestonn.
In einer Zeit der Umbrüche wird es immer wichtiger, mit Geschlossenheit und Offenheit für neue Perspektiven einzutreten. Ejaal, wat och passeet, wir müssen zusammenhalten, wie schon all die lange Johr. Ja, dann wird es widder jonn und wir blieve och bestonn. Mit Alaaf und Helau und der Leichtigkeit des Karnevals, dat da Ärjer von hück – un dat jeht flöck – die jode ahle Zick vun morje ist, eine schöne Karnevalszeit!