Guter Heinrich, Gelber Günsel, Ackerkohl und Erdkastanie – kennen Sie diese Ackerwildkräuter? Der eine oder andere vielleicht schon. Es sind allesamt botanische Raritäten, die aber im LVR Freilichtmuseum Kommern zu sehen sind. Möglich macht dies das neue Projekt „Wilde Vielfalt im Museum“. „Wir freuen uns, dass wir als Museum dieses Projekt zusammen mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft durchführen können“, erläuterte Museumsleiter Dr. Josef Mangold bei der Vorstellung des Projektes vor der Presse am Donnerstag vergangener Woche im Kommerner Museum.
Wie Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher, Vorstandsmitglied der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, erläuterte, verfolgt das neue Projekt zwei Strategien. „Das ist einmal die praktische Erhaltung der selten gewordenen Ackerwildkrautarten und zudem ein umfassendes Bildungskonzept für verschiedene Zielgruppen.“ Diese Kombination sei vielversprechend, um seltene Arten der offenen Kulturlandschaften auch für zukünftige Generationen zu erhalten. „Denn nur durch das Wissen und den Wert der gefährdeten Arten, ihre Ansprüche und die entsprechend notwendige Bewirtschaftung und Pflege unserer Landschaften können wir eine vielfältige Kulturlandschaft mit wilden Anteilen dauerhaft erhalten“, zeigte sich Schumacher überzeugt, der die Erhaltung seltener Wildkräuter im Freilichtmuseum in Kommern bereits seit den 1980er-Jahren wissenschaftlich begleitet.
Der offizielle Startschuss für das neue Projekt „Wilde Vielfalt im Museum“ fiel zwar erst vergangene Woche, aber bereits seit vier Monaten laufen die Arbeiten hierzu. „Dazu gehört vor allen Dingen die Erfassung der selten gewordenen Wildpflanzen“, erklärte Thomas Muchow, Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Stiftung hätten allein im Bereich der Erhaltungsbeete 60 dieser Arten erfasst, 51 stünden in Nordrhein-Westfalen auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten. Außerhalb der Beetkulturen seien im Museumsgelände bisher 138 Wildkräuter nachgewiesen worden, 21 davon seien gefährdet. „Diese Vielfalt wollen wir im Projekt gezielt weiter fördern“, betonte Muchow. Zum Projekt gehöre allerdings nicht nur, die Vielfalt zu erhalten, sondern auch diese Vielfalt zu vermitteln und weiterzutragen. Bestandteil des Projekts sei in diesem Zusammenhang die Ausbildung von ehrenamtlichen Wildkrautpatinnen und -paten, die tatkräftig dazu beitragen, die pflanzlichen Raritäten im Museum dauerhaft zu erhalten. Bereits 30 Ehrenamtliche wurden ausgebildet.
Eine neue zweistündige Lehrfahrt durch das Museum ergänzt die Vermittlung des Projekts. An einzelnen Schildern befinden sich auch QR-Codes, die unter anderem von Schülern gescannt werden können, um so Informationen über die seltenen Wildkräuter zu erhalten. Nach Angaben des Museums sind aber auch weitere Angebote wie eine „Entdeckungsreise“ für Kinder, Jugendliche und Familien rund um das Thema Wildpflanzen im Museum geplant. Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen sowie dem Förderverein Rheinisches Freilichtmuseum Kommern und der Deutschen Postcode Lotterie.
Mark vom Hofe, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen, lobte die gute Zusammenarbeit der Partner und Förderer und freut sich auf die Wirkung des Projektes. „Unserer Stiftung ist es wichtig, zu zeigen, dass es Artenvielfalt gibt und dass wir die Artenvielfalt erhalten wollen. Aber auch das Thema Umweltbildung liegt uns am Herzen. Es wäre toll, wenn das Projekt die Museumsbesucher animiert, im Sinne der biologischen Vielfalt aktiv zu werden“, meinte Mark vom Hofe. Hierzu zähle beispielsweise das Aussäen von seltenen Arten oder das Zulassen von wilder Vielfalt in den eigenen Gärten.
Dr. Jürgen Wegner, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Rheinisches Freilichtmuseum Kommern, freute sich, dass durch das Projekt insbesondere die Jugend für die Artenvielfalt sensibilisiert werden soll. „Uns als Förderverein ist es wichtig, dass das Thema Artenvielfalt auch der Jugend nahegebracht wird“, betonte Wegner. el