Zeckenalarm – wie groß ist die Gefahr im Wald?

Wenn die Temperaturen steigen, passieren zwei Dinge gleichzeitig, die schlecht zusammenpassen: Viele Menschen suchen im Wald Erholung und angenehme Abkühlung – und die Zecken vermehren sich rasant. Die LZ befragte Revierförster Stefan Befeld zum Problem mit den kleinen, nicht ungefährlichen Quälgeistern.

LZ | Rheinland: Herr Befeld, wann sind Zecken im Wald besonders aktiv?

St. Befeld: Früher waren vor allem Mai, Juni und Juli betroffen. Doch inzwischen geht die Zeckensaison bei uns fast um das ganze Jahr. Das liegt an den milden Wintern, die uns wohl der Klimawandel beschert hat. Sobald es wärmer ist als 8 °C und feucht genug, lauern die Zecken auf Wirte.

LZ | Rheinland: Wie groß ist die Gefahr, sich durch Zeckenstiche mit gefährlichen Krankheiten zu infizieren?

St. Befeld: Jedes Jahr erkranken in Deutschland – regional schwankend – 15 bis 50 Menschen pro 100 000 Einwohner an der sogenannten Lyme-Borreliose. In Nordrhein-Westfalen sind nach Schätzungen von Biologen etwa 10 % der Holzböcke, der häufigsten Zeckenart, Überträger von Borrelien. Diese Bakterien lösen die Lyme-Borreliose aus.

LZ | Rheinland: Ist die Gefahr gestiegen?

St Befeld: Ja, die Zahl der Borreliose-Infektionen hat in den 2000er-Jahren stetig zugenommen. Das liegt wohl hauptsächlich daran, weil die Leute häufiger in den Wald gehen. Förster und Forstwirte von Wald und Holz NRW müssen Zeckenstiche in einem Verbandbuch dokumentieren. In den Jahren 2014 bis 2018 ist die Anzahl der dokumentierten Zeckenstiche um 10 % pro Jahr gestiegen.

LZ | Rheinland: Wie ist es mit FSME, der gefürchteten Hirnhautentzündung?

St. Befeld: Zecken können auch ­FSME übertragen, die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Das ist eine Viruserkrankung, die schlimmstenfalls tödlich verlaufen oder schwere Hirnschäden verursachen kann. Sie ist viel seltener als die Borreliose; es gibt etwa 550 Infektionen pro Jahr. FSME-Viren treten fast nur in bestimmten Risikogebieten auf: vor allem in Österreich, der nördlichen Schweiz, Baden-Württemberg, Bayern und einzelnen Kreisen in Hessen und Rheinland-Pfalz. Der hessische Kreis Marburg-Biedenkopf ist das einzige Risikogebiet, das an Nordrhein-Westfalen angrenzt. NRW ist nicht als Risikogebiet eingestuft. In den Risikogebieten wird die FSME-Schutzimpfung empfohlen. Sie schützt aber nicht vor Borreliose.

LZ | Rheinland: Wie kann ich mich vor Zecken schützen?

St. Befeld: Am besten schützen Sie sich, indem Sie auf den Wegen bleiben. Die Zecken lauern vor allem in Hunde- und Katzenhöhe im hohen Gras und in Gebüschen. Sie riechen, wenn ein Säugetier oder Mensch in der Nähe ist, und lassen sich dann von Grashalmen oder Ästen eines Busches herunterfallen. Es hilft auch, nach einem Ausflug Hosenbeine und Schuhe abzusuchen oder mit einer Kleiderbürste abzubürsten. Helle Kleidung ist besser als dunkle, weil man da­rauf die dunklen Zecken gut erkennen kann.

LZ | Rheinland: Wie bemerke ich einen Zeckenstich?

St. Befeld: Das ist eine wichtige Frage, denn es kommt da­rauf an, die Zecke nach einem Stich schnell zu entfernen. Untersuchen Sie, wenn Sie im Gelände waren, direkt nach der Wanderung Ihre Kniekehlen, Achselhöhlen, die Leistengegend und den Schritt. Das sind die Stellen, wo sich die Biester am liebsten festsetzen, weil dort die Haut dünn ist. Auch der Haaransatz kommt in Frage.

LZ | Rheinland: Wie entferne ich die Zecke aus der Haut?

St. Befeld: Dafür gibt es im Prinzip drei Methoden und Werkzeuge: die Pinzette, die Zeckenzange und die Zeckenkarte. Eins davon sollten Sie, wenn Sie ins Gelände gehen, immer dabei haben.

LZ | Rheinland: Wann sollte ich zum Arzt gehen?

St. Befeld: Wenn der Stich tagelang gerötet bleibt und juckt, oder wenn sich eine ringförmige oder kreisförmige Hautrötung um den Stich herum bildet, die sogenannte Wanderröte. Außerdem können erkältungsähnliche Symptome auftreten wie Kopfschmerzen, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen.